Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Kastanien bald nicht mehr zu retten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kastanien bald nicht mehr zu retten
11:45 11.10.2016
Celle Stadt

50 weißblühende Rosskastanien wachsen auf dem Allerdeich, 198 auf dem Osterdeich und 237 auf der Philipp-Simon-Dawosky-Allee, dem ehemaligen Fischerdeich. Noch. Denn im Laufe der nächsten Jahre werden die Miniermotte und das Bakterium Pseudomonas die Bäume auch weiterhin schädigen. „Die setzen den Pflanzen schon seit Jahren zu“, weiß der Baumexperte. „Es ist das Zusammenwirken von Miniermotte und Pseudomonas“, kennt Hoppenstedt die Schädlinge genau. Während das Insekt durch die Ablage der Eier auf den Blättern dafür sorgt, dass die Bäume die Photosynthese nicht mehr in dem erforderlichen Umfang durchführen können, nehmen die etwa 60 bis 80 Jahre alten Pflanzen die Bakterien vom Boden her auf. „Pseudomonaden leben oft von abgestorbenem organischem Material und man findet sie häufig in der unmittelbaren Nähe der Wurzeln.“ Und das Zusammentreffen dieser beiden Schädlinge lassen die Bäume nach mehreren Vegetationsperioden absterben. „Dann bilden sich Pilze, wie Klapperschwamm und Austernseitling, die wiederum im Holz für Weißfäule sorgen.“

Nährstoffgaben, Mottenfallen, eine Vergrößerung der Meisenpopulation und selbst gemeinschaftliches Laubsammeln hatten kaum sichtbare Wirkung. Um den Kreislauf des Schädlingsbefalls durch die Miniermotte zu stoppen, wurden viele freiwillige Helfer mehrfach mit Laubbesen aktiv. „Gegen Pilze kann man nichts machen“, resigniert Hoppenstedt vor dem Phänomen, das nicht nur in Celle auftritt.

Pseudomonas trat erstmals 2002 in den Niederlanden auf und kam in den Folgejahren nach Deutschland. Das Laub der betroffenen Bäume färbt sich sehr früh und durch die Rinde ziehen sich lange Risse. An den Baumstämmen tritt punktuell Schleim aus, der rötlich schimmert. Es sieht aus, als ob die Kastanien bluten. Das Braunschweiger Thünen-Institut und das Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg wissen derzeit auch keinen Rat, wie Hoppenstedt weiß.

Es sei ein trauriges Bild, was sich dort bietet, bedauert denn auch Klaus Effinghausen, der direkt am Allerdamm wohnt. Er setzt sich für die Kastanienallee ein. „Ich bin sehr am Erhalt der Bäume interessiert“, sagt er, erkennt aber, dass sich das Bild der langen Kastanienallee ändern wird. Rote Punkte an den Baumstämmen markieren schon den Handlungsbedarf zum Ausschneiden von Totholz, grüne Kreuze kennzeichnen das Fällen des Baumes.

Von Lothar H. Bluhm