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Celle Stadt Celler Kinderuni: Bloß keine Spuren verwischen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kinderuni: Bloß keine Spuren verwischen
20:18 25.02.2015
„Wie überführt man Verbrecher“ lautete die Frage, die Professor - Dr. med. Klaus Püschel bei der Kinderuni beantwortete. Quelle: Alex Sorokin
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„Am wichtigsten ist, dass man am Tatort spezielle Kleidung tragen muss", begann Professor Klaus Püschel. "Dazu gehören Handschuhe, Mundschutz und ein Spurensicherungsanzug.“ Dies sei wesentlich, damit man keine Spuren verwischt. Er erläuterte, dass er kein Polizist sei, sondern von der Spurensicherung.

Nun präsentierte er den eifrigen Jugendlichen drei Fälle, welche unterschiedliche Bereiche abdeckten. Im ersten Fall ging es um einen Mord an einem Bauarbeiter. Der Mörder wurde überführt, weil er am Tatort eine Zigarette weggeworfen hatte, an der man seinen Speichel identifizieren konnte. Dies geschieht mit der sogenannten DNA-Analyse.

Im zweiten Fall ging es um eine Drogenfahndung. Der Polizei fiel eine verdächtige Frau auf. Diese fuhr mit ihrem Auto äußerst fragwürdig und wurde deswegen angehalten. Dank der Gerichtsmedizin, nämlich anhand einer Blutuntersuchung, konnte nachgewiesen werden, dass die Frau Drogen konsumiert hatte.

Im dritten Fall ging es um einen Zahnarzt, dessen Tochter auf dem Dachboden eine vermeintliche Mumie gefunden hatte. Diese wurde von der Spurensicherung beschlagnahmt. Dann analysierten die Gerichtsmediziner sie im Labor. Durch moderne Technik, wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen, stellte sich heraus, dass die Mumie nur aus Gips bestand. Die Studenten fanden diese Story sehr interessant und lustig. Am Ende konnten sie dem Dozenten noch Fragen unter vier Augen stellen. Dies wurde ausgiebig genutzt. Schließlich fanden alle die Vorlesung sehr interessant. Die nächste Veranstaltung beginnt am Dienstag, 10. März, 16.30 Uhr in der CD-Kaserne.

Celler Studenten kommen Verbrechern auf die Spur

Am Dienstag fand die erste Vorlesung des neuen Semesters der Kinder-Uni statt. Dieses Mal mit dem Thema „Wie überführt man Verbrecher?“. Rechtsmediziner Professor Dr. Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nahm die Kinderakademie-Studenten erzählerisch mit an einen Tatort und verriet dabei, was z. B. Fingerabdrücke oder eine achtlos hingeworfene Zigarette über einen Verdächtigen aussagen.

Zuerst erklärte er die Vorgehensweise von Kriminalisten am Tatort mit Leichenfund: Der Tote wird geborgen und zu rechtsmedizinischen Untersuchungen ins Labor von Pathologen gebracht. Dort wird die Leiche gründlich untersucht. Die Polizei und die Ärzte versuchen dann, die sogenannten „W-Fragen“ - Wer war es? Wann ist es geschehen? Wo war der Tatort? Oder auch: Womit hat der Täter die Tat begangen? - zu klären. Solche Probleme beantworten sie meist mit Hilfe der Computertomografie. Nach einem solchen speziellen Röntgen schreiben die Rechtsmediziner ein Protokoll und übermitteln dieses an die Polizei. Auf Basis dieses pathologischen Befunds können die Polizisten weiter untersuchen.

Ein anderes Fallbeispiel, bei dem die Rechtsmedizin gefragt war, sorgte vor zwei Jahren in der Presse landesweit für Schlagzeilen: Ein zehnjähriger Junge fand eine Mumie auf dem Dachboden seines Vaters. Der Junge informierte die Polizei, die wiederum leiteten die Mumie an die Rechtsmedizin weiter. Die Mumie wurde im Labor untersucht, und es wurde festgestellt, dass sie von innen fast hohl war und nur aus einem unechten Schädel (wie in der Zahnmedizin zu Übungszwecken verwendet) und ein paar künstlichen Knochen bestand. Den Stoff, in dem die sogenannte „Mumie“ eingewickelt war, hatte man mit Uhu-Kleber fixiert. Später nahm man an, dass der Vater des Jungen – von Beruf Zahnarzt – sich einen Spaß erlaubt hatte, um sich wichtig zu machen und für seine Praxis zu werben. Immerhin war er wochenlang DAS Gesprächsthema in den Medien. Da blieb vielen jungen Studenten der Mund offen stehen: Eine gefälschte Mumie, nur um in die Zeitung zu kommen?

Ein drittes Beispiel zeigte, wie Drogenfahnder bei Drogendelikten im Straßenverkehr vorgehen. Sobald die Polizei ein Auto bemerkt, das Schlangenlinien fährt, wird es angehalten. Dann schauen sich die Ordnungshüter den Fahrer genau an. Falls sie weite Pupillen (Verdacht auf Drogenkonsum, wie z. B. Extasy oder Kokain) feststellen, muss sich der Fahrer einem Drogentest unterziehen. Das funktioniert, indem dem Fahrer Blut abgenommen wird. In einem Quicktest, der von Rechtsmedizinern ausgewertet wird, erfährt die Polizei dann schnell, ob der Fahrer Drogen genommen oder Alkohol getrunken hat. Entsprechend wird der Drogenmissbrauch dann geahndet.

Insgesamt zeigte diese Vorlesung, welch wichtige Arbeit ein Rechtsmediziner leistet, um Verbrechen in Zusammenarbeit mit der Polizei aufzuklären.

Von Max Demmig und Frida Maecker