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Celle Stadt Celler Krankenschwestern schockiert über ehemalige Chefin
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Krankenschwestern schockiert über ehemalige Chefin
17:08 13.02.2015
    Babel stellt Buch über Kindermorde vor Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

CZ-Redakteur Andreas Babel hatte aus seinem Buch „Kindermord im Krankenhaus” die Passagen vorgelesen, die die spätere Leiterin der Kinderabteilung des Allgemeinen Krankenhauses Celle in einem anderen Licht erscheinen lassen. Anfang der 1940er Jahre hatte die Ärztin im Kinderkrankenhaus Rothenburgsort in Hamburg behinderten Kindern die Todesspritze gegeben. Sieben Fälle sind namentlich bekannt, zwölf Morde an Kindern werden ihr zur Last gelegt.

Zur Rechenschaft wurden weder der damalige Leiter des Hamburger Krankenhauses noch die jungen Medizinerinnen gezogen, deren Biografien Babel in seinem Buch nachzeichnet. Nach Kriegsende wurde umfangreich ermittelt, das Verfahren wurde Ende der 1940er Jahre aber nicht eröffnet. Und auch die Hamburger Ärztekammer konnte sich nicht dazu durchringen, den Ärzten 1960 die Zulassung zu entziehen.

Wer es hätte wissen wollen, hätte es wissen können, sagte Babel und verwies auf Artikel im „Spiegel“, die die Kindermorde thematisierten. Sicherlich könne man für Celle noch erforschen, wer Sonne-mann damals im AKH einstellte, was eine Zuhörerin wissen wollte. Babel verwies auf die gesellschaftlichen Verbindungen zwischen den Ritterkreuzträgern Oberkreisdirektor Axel Bruns und Fritz Darges, dem ehemaligen Adjutanten von Adolf Hitler, der Sonnemann 1952 heiratete.

In den sogenannten Kinderfachabteilungen wurden zwischen 1940 und 1945 reichsweit etwa 5000 behinderte Kinder durch Injektionen ermordet. Bei seinen Recherchen habe er den Eindruck gewonnen, dass die Mediziner keine Monster gewesen seien, sondern ganz normale Menschen, sagte Babel. Darges-Sonnemann habe sich auch am AKH ungern mit Kindern abgegeben, die am Down-Syndrom litten, meinte eine andere ehemalige Krankenschwester. Dass sie nie von ihrer menschenverachtenden Haltung abrückte, machte Babel an mehreren Beispielen deutlich. 1956 legte sie einer Mutter nahe, ihr schwaches Kind in der Celler Klinik zu lassen, damit es dort sterbe. Ihr Kind starb – aber erst mit 41 Jahren.

Das Buch: „Kindermord im Krankenhaus“ von Andreas Babel, 224 Seiten, 16,90 Euro, im Buchhandel und bei der CZ erhältlich.

Von Joachim Gries