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Celle Stadt Celler Kreiselternrat: Inklusion gescheitert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kreiselternrat: Inklusion gescheitert
08:05 07.10.2016
Von Gunther Meinrenken
Quelle: Uwe Anspach
Celle Stadt

Besonders verheerend sei die Lage an den Oberschulen. Im vergangenen Schuljahr habe an den drei Oberschulen im Stadtgebiet die Unterrichtsversorgung nur zwischen etwa 87,5 und 95,7 Prozent gelegen. Gleichzeitig würden vor allem an dieser Schulform inklusive Schüler unterrichtet. So seien nach Informationen des Kreiselternrates an der Oberschule I 84 Inklusionskinder gemeldet gewesen, an der Oberschule Westercelle 55. Zum Vergleich: Am Hölty-Gymnasium waren es nur 3. Die Gymnasien weisen allerdings eine deutlich bessere Unterrichtsversorgung auf. "Aktuellere Zahlen bekommen wir von der Schulbehörde leider nicht, obwohl wir sie angefordert haben", kritisiert von Bose die Informationspolitik gegenüber den Eltern.

Das Problem: "Die Oberschulen, die die meisten Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf aufnehmen, weisen eine schlechte Unterrichtsversorgung auf. Laut Erlass dürfen die Schulen, die Kinder mit Unterstützungsbedarf aufnehmen, die dafür zusätzlich zugewiesenen Lehrerstunden nur dann erteilen, wenn die Unterrichtsversorgung der Pflichtstunden zu 100 Prozent gewährleistet ist", sagt von Bose.

Das bedeute, so Bahr und von Bose: Selbst wenn Förderschullehrer abgeordnet werden, müssten diese zuerst dazu verwendet werden, die Lücken bei den Pflichtstunden zu stopfen. "Bei dem momentanen Lehrkräftemangel in Niedersachsen findet somit keine Förderung an den Regelschulen statt", so von Bose. Denn es fehle nicht nur an regulären Lehrkräften, sondern vor allem an Förderschullehrern. Es gebe Schulen, an denen der Bedarf an Förderstunden nur zu einem Drittel gedeckt sei.

Die Folge: Die Einführung des inklusiven Schulsystems, das auf der UN-Behindertenrechtskonvention fußt, führe "paradoxerweise eher zu Benachteiligungen der Betroffenen und kann so nicht im Sinne der UN-Konvention sein", befindet von Bose.

Der Kreiselternrat möchte an dem langfristigen Ziel "Inklusion" festhalten. Aber: "Unter diesen Voraussetzungen sollte die Inklusion sofort ausgesetzt werden, bis die Defizite wie der Lehrermangel beseitigt sind. Ansonsten sehen wir das Recht auf Bildung unserer Kinder, egal ob mit oder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, gefährdet", so Bahr und von Bose. Daher sollte die Landesregierung den Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen nach regionalen Erfordernissen einen vorläufigen Bestandsschutz zuerkennen. "So würde man der Weiterbildung der Konzepte mehr Zeit geben und das Vertrauen der Eltern und Lehrer zurückgewinnen. Denn auch die Ausbildung der benötigten Fachkräfte braucht mehr Zeit."