Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Kreistag streitet über Förderschulen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kreistag streitet über Förderschulen
16:21 11.07.2014
Von Simon Ziegler
Celle Stadt

„Ich verstehe das alles nicht mehr“, entfuhr es am Donnerstag dem Grünen Gerald Sommer, nachdem die Debatte um eine Resolution zur Inklusion im Kreistag nicht enden wollte. Die Parteien sind gar nicht weit voneinander entfernt und trotzdem gelang es nicht, eine gemeinsame Position zu verabschieden. Wie schon im Schulausschuss beharkten sich die beiden Blöcke aus CDU, WG, FDP einerseits sowie SPD und Grünen andererseits. Dabei hat die Resolution kein anderes Ziel, als Richtung Hannover klar und deutlich zu sagen, wie der Kreis Celle die Zukunft der Förderschulen sieht, wenn immer mehr behinderte Kinder in Regelschulen unterrichtet werden.

Selbst ein Kompromissvorschlag von Landrat Klaus Wiswe fand nicht die Zustimmung des Kreistages. Die Förderschulen sollten erhalten bleiben, solange die Eltern das wünschten, forderte der Landrat. Es brauche klare Aussagen des Landes, wie die Inklusion umgesetzt werden soll. Außerdem müsse das Land die Kosten für die Inklusion erstatten.

Zur Erinnerung: Die Landesregierung plant, den Umfang der inklusiven Beschulung auszubauen. So sollen die Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache ab dem Schuljahr 2015/16 keinen 5. Jahrgang mehr aufnehmen. Langfristig sollen diese Förderschulen aufgelöst werden. Im Kreis Celle wären davon die Erich-Kästner-Schule, Pestalozzischule, Janusz-Korczak-Schule, Astrid-Lindgren-Schule, der Lernzweig der Käthe-Kollwitz-Schule und die Sprachheilschule betroffen. Es gibt aber große Zweifel, ob die inklusive Beschulung qualitativ mit der Betreuung in den Förderschulen mithalten kann.

Die CDU plädierte für einen Resolutionsentwurf, wonach Rot-Grün in Hannover aufgefordert wird, von der ab dem Schuljahr 2015/16 schrittweise geplanten Schließung der Förderschulen solange abzusehen, bis eine gleichwertige Förderung in der inklusiven Schule gesichert ist. Die SPD legte ein eigenes Papier vor. Darin werden explizit die drei Einrichtungen Sprachheilschule, Paul-Klee-Schule und Käthe-Kollwitz-Schule genannt, die erhalten werden sollen, wenn es der Elternwille hergibt.

„Die Förderschulen dürfen nicht geschlossen werden“, sagte Sabine Rudnick (CDU). „Wir wollen diese Schulen erhalten“, pflichtete Charles Sievers (FDP) bei. „Ihr Entwurf geht uns nicht weit genug“, erklärte dagegen SPD-Fraktionschef Maximilian Schmidt im Sinne der gemeinsamen Beschulung. „Wir können die Inklusion nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben, das geht nicht“, warb auch Gerald Sommer (Grüne) für den inklusiven Ansatz.

Wie sehr parteipolitisch die Diskussion im Kreistag geprägt war, zeigte ein Redebeitrag von Rolf Meyer (SPD). Er warf CDU, WG und FDP vor, es gehe ihnen in Wahrheit gar nicht um das Wohl der Kinder. Die Christdemokraten forderten daraufhin eine Entschuldigung, wofür Meyer aber keinen Anlass sah. „Wenn die Kinder, um die es hier geht, diese Debatte verfolgen könnten, wären sie wahnsinnig enttäuscht“, kommentierte Ulrich Kaiser (WG).

Am Ende dieser langen Debatte stimmten CDU, WG und FDP für ihr Papier, SPD und Grüne votierten für den eigenen Entwurf. „Dass diese Diskussion so einen Raum im Kreistag einnimmt, sollte dem Land zu denken geben“, sagte am Freitag der Vorsitzende des Kreistages, Torsten Harms.