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Celle Stadt Celler Kreistags-Politiker uneins über Schulpolitik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kreistags-Politiker uneins über Schulpolitik
15:01 14.09.2016
Von Andreas Babel
Celle Stadt

Schulen: Ein wichtiges Thema war die künftige Gestaltung der Schullandschaft. Einen merkwürdigen Gedankengang entwickelte dabei Torsten Harms (CDU). Er meinte, dass man „nicht so tun dürfe, als wenn es den demografischen Wandel nicht gibt“, wobei er meinte, dass immer weniger Kinder geboren werden. Im nächsten Atemzug meinte er: „Für uns ist es das A und O, dass es wohnortnahe Schulen gibt.“ Wie man das bei den geringen Schülerzahlen in manchen Orten erreichen will, ließ er offen. Eines ist für die Christdemokraten aber klar: „Für uns sind Gymnasien und Oberschulen erste Wahl.“

Maximilian Schmidt (SPD) sprach sich nicht für oder gegen eine Schulform aus, sondern dafür, dass die Eltern nach ihrem Willen befragt werden sollten: „Wir brauchen nicht den Kampf der Schulform, sondern für alle ein Angebot.“ Wenn sich die Eltern für eine Integrierte Gesamtschule (IGS) aussprechen sollten, wären Standorte in Bergen, Wathlingen und Winsen denkbar, meinte der Sozialdemokrat. „Die IGS Burgstraße kann man nicht zu groß werden lassen“, sagte Schmidt.

Jutta Krumbach (FDP) machte klar: „Wir wollen keine zweite IGS. Die Schulen müssen zur Ruhe und zum Schulfrieden kommen. Sie sieht es „sehr, sehr kritisch“, dass die Integration der Förderschüler in die Regelschulen die Förderschulen „ausgehebelt“ habe. Jens Christoph Brockmann (AfD) meinte, dass seine Gruppierung das „klassische dreigliedrige Schulsystem“ bevorzuge. Man solle sich aber nicht „zu Tode reformieren“, wie es seiner Meinung nach bei der Bundeswehr geschehen sei.

Jörg Lehr (Linke) meinte: „Drei IGS werden gefordert. Es wurde bisher nicht vernünftig geplant, so dass die Schulen nicht vernünftig ausgestattet sind. Was mir besonders am Herzen liegt, ist das gemeinsame Lernen, das viel erfolgreicher und zielführender für den Bildungsstand ist.“

Albrecht Hoppenstedt (WG) meinte, man habe „eine kritische Masse gebildet, um eine Beschulung überhaupt zu gewährleisten“. Er forderte die Gemeinden auf, enger zusammenzuarbeiten. Eine neue IGS lehnt die WG ab. Ebenfalls keinen Bedarf für eine zweite IGS sehen die Unabhängigen, wie Iris Fiss ausführte. Sie hätten sich die Oberschule Flotwedel angeschaut. „Der Unterschied zu einer IGS ist nicht so groß. Den Unterschied können viele Eltern gar nicht beziffern“, sagte Fiss.

Die Grünen wollen die Eltern entscheiden lassen, wo eine zweite IGS entstehen solle, meinte Annegret Pfützner. Wenn seit zwei Jahren jeweils 100 Kinder, die an eine IGS gehen wollen, dort keinen Platz bekämen, dann sei das nicht korrekt.

Erich Kästner Schule: Wirbel gab es um die Zukunft der Erich Kästner Schule in Garßen (siehe Seite 11). Angela Koppetsch, deren Kind diese Schule besucht, wies auf einen Elternbrief des Schulleiters Frank-Peter Viering hin, nach dem viele Räume aus Brandschutzgründen nach den Herbstferien nicht mehr genutzt werden dürfen, Umzüge notwendig seien und Baulärm den weiteren Betrieb behindern werde. Die Politik wurde darüber erst kurz vorher informiert. Harms und Pfützner kritisierten die Kreisverwaltung wegen ihrer Informationspolitik. Hoppenstedt meinte, die Kreisverwaltung „werde das schon einvernehmlich regeln“.

Schulzentrum Hambühren: Dieter Sawischlewski wollte wissen, warum der Landkreis das Hambührener Schulzentrum für 6,5 Millionen Euro saniert und dann dicht gemacht hat. Hoppenstedt erläuterte, dass sich vor fünf Jahren nur noch 9 Schüler für die dortige Haupt- und nur noch 31 für die Realschule angemeldet hätten. „Es war eine kluge Entscheidung, die Schulen aus Hambühren und Wietze in Winsen zusammenzufassen“, so Hoppenstedt. Schmidt warnte davor, Hoffnungen für eine Reaktivierung der Schulgebäude in den Raum zu stellen, „die man nicht erfüllen kann“. Krumbach meinte, dass man angesichts des demografischen Wandels die Forderung „Kurze Wege für kurze Beine“ nicht aufrechterhalten könne.

Finanzen: Weil sich die Kreisfinanzen (siehe auch Seite 15) wegen der geringeren Flüchtlingszahl weit besser darstellen als prognostiziert, steht im Raum, die Kreisumlage zu senken. Diese regelt, wie die Gemeinden be- oder entlastet werden. Fiss sprach sich dafür aus, die Umlage um einen Prozentpunkt zu senken, da das die ebenfalls hoch verschuldete Stadt Celle entlasten würde. Lehr meinte, man müsse das Problem von einer anderen Seite angehen und Bürokratie abbauen. Hoppenstedt (WG) hält das für „eine Spielerei mit Zahlen“. Man müsse vielmehr in den Verwaltungen der Kommunen und des Landkreises schlankere Strukturen schaffen, wofür er Applaus erntete. Brockmann (AfD) sagte, die Senkung „bringt nicht viel“, man solle lieber „abwarten, ob der Flüchtlingsstrom nicht doch wieder zunimmt“. Schmidt (SPD) ist für eine Senkung der Umlage, „um die Balance zu wahren“. Es könne nicht sein, „dass der Landkreis Überschüsse erwirtschaftet und die Kommunen defizitäre Haushalte fahren“. Harms (CDU) ist dagegen und erläuterte, was er davon hält, mit einem Bild: „Kreis und Kommunen liegen in einem Bett. Und wenn die Finanzen die Decke sind, dann frieren sie entweder an den Füßen oder am Hals.“

Pfützner (Grüne) warb für „kreative Gedanken“ in Sachen Finanzen, ohne zu sagen, wie sie sich das vorstellt. Sie möchte aber nicht, „dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgeht“. Im Moment solle die Kreisumlage so bleiben, wie sie ist. Krumbach (FDP) will, dass sie stabil bleibt. Sie möchte, dass der Stellenschlüssel der Verwaltung „deutlich überprüft“ wird.

Windkraft: „Wir können auf Windkraft nicht verzichten“, meinte Pfützner. Er gehöre nicht zu denjenigen, „die Windräder lieben“, meinte Harms. Schmidt bezeichnete das, was in Bröckel geschehe, wo ein Dorf von Windrädern umzingelt werden soll – „durch die fehlerhafte Planung von Nachbarlandkreisen“ – schädlich sei. Die AfD und Krumbach (FDP) wollen keine weiteren Windräder, die Linken möchten, dass die Bürger als kleine Investoren vor Ort auch bei der Windkraft „zum Zuge kommen“. Ansonsten setzt Lehr darauf, verschiedene Energie-Erzeugungsformen miteinander zu verbinden. Hoppenstedt warnte vor der jetzt schon eingetretenen „Industrialisierung unseres Lebensraums“. Und Fiss brachte die Geothermie als „andere Lösung“ ins Spiel. Hier ist den Landkreis Celle nämlich Spitze.