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Celle Stadt Celler Kurden: Zwischen Zwangsehe und Integration
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kurden: Zwischen Zwangsehe und Integration
18:21 22.07.2014
Von Gunther Meinrenken
Neuer Vorstand im Ezidischen Kulturzentrum: Dervis Duran (rechts) und seine Stellvertreterin Hediya Ekinci haben sich jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Hediya Ekinci ging gleich in die Offensive. Als die stellvertretende Vorsitzende des Ezidischen Kulturzentrums (EKZ) das Gremium jetzt im Integrationsausschuss vorstellte, nahm sie einige Fragen aus den Reihen der Politik gleich vorweg. "Warum können einige im Vorstand kein Deutsch? Weil nicht jeder den gleichen Hintergrund hat. Deutsch ist kein Kriterium, um bei uns ehrenamtlich mitzuarbeiten. Warum kommen einige Vorstandsmitglieder aus Burgdorf? Uns ist nicht wichtig, wo die Leute herkommen. Wir vertreten die Eziden in der Region." Alle Unklarheiten waren damit allerdings noch nicht beseitigt, wie die spätere Diskussion zeigte.

Der neue Vorsitzende des EKZ, Dervis Duran, vereint gleich beide Eigenschaften in seiner Person: Er kommt aus Burgdorf und spricht Deutsch noch nicht fließend, weshalb Ekinci in der Sitzung das Wort ergriff, um die Zielvorstellungen des vor etwas mehr als einem Jahr komplett ausgetauschten Vorstands vorzustellen. Eloquent stellte sie die Kulturangebote, den Schlichtungspfad oder auch die Bildungsarbeit vor und unternahm einen kurzen Ausflug in den Bereich der Religion.

Dann kam sie auf die Integration zu sprechen. Hier sei man noch lange nicht dort, wo man hin wolle. "Uns fehlt bis heute ein klares Signal von Verwaltung und Politik. Die Stellen für Kurden im Rathaus reichen nicht. Integration muss sichtbar werden. Aus der Politik kommen oft nur Lippenbekenntnisse", so Ekinci. Stadtrat Stephan Kassel widersprach deutlich: "Wir haben seit 2007 einen Kooperationsvertrag mit dem EKZ. Der Anteil der kurdischen Mitarbeiter im Neuen Rathaus entspricht fast deren Anteil an der Bevölkerung."

Sabine Pfeiffer (CDU) wollte wissen, wie der neue Vorstand über Heiraten außerhalb der ezidischen Gemeinde denkt. "Die Heiratsvorgaben, nur innerhalb der Eziden und dort innerhalb einer bestimmten Kaste zu heiraten, führen zu erheblichen Problemen in Celle", sagte Pfeiffer. Ekinci behauptete, dass niemand mehr wegen Heiraten außerhalb der Gemeinde ausgestoßen werde. "Es gibt eine Entwicklung, aber wir stehen zuallererst hinter unserem Glauben." Ausschussmitglied Hasan Ali relativierte diese Aussage: "Eine solche Heirat wird in Celle und im Umkreis immer noch nicht akzeptiert. Aber es wächst eine neue, gebildete Generation heran. Heute kann man darüber diskutieren. Das ist ein Fortschritt, den man akzeptieren muss."