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Celle Stadt Celler Land erwartet Winter zurück
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Land erwartet Winter zurück
19:57 21.04.2016
Quelle: Alex Sorokin (Archiv)
Celle Stadt

Denn anstatt Wärme vom Mittelmeer erwartet uns am Wochenende ein später und massiver Kälterückfall. Von Sonntag bis zum kommenden Mittwoch sind in der Südheide höchstens einstellige Werte drin und bei nächtlichem Aufklaren droht Luft- oder zumindest Bodenfrost.

Dazu erleben wir Aprilwetter vom Feinsten mit wiederholten Regen-, Schnee- oder Graupelschauern und vielleicht sogar kurzen Gewittern. Auch eine weiße Überraschung zum Berufsverkehr am Montagmorgen ist nicht ausgeschlossen. Zwischendrin sind aber auch die Sonne und ein teils kräftiger Wind mit von der Partie. Zum Monatswechsel zeigt der Temperaturtrend voraussichtlich wieder nach oben und die Sonnenstunden mehren sich.

Doch warum tut sich die Frühjahrserwärmung insgesamt so schwer? Grund ist die Kaltluftproduktion in der Arktis, die nach der langen Polarnacht erst im März ihren Höhepunkt erreicht. Durch den niedrigen Sonnenstand kann sich die Luft nur sehr langsam erwärmen. Bei nördlichen bis östlichen Wetterlagen wird das arktische Kältereservoir Richtung Mitteleuropa angezapft, sodass das winterliche Erbe die empfindliche Vegetation noch bis zu den Eisheiligen (11. bis 15. Mai) schädigen kann: „Servatius Hund der Ostwind ist, hat schon manch’ Blümlein totgeküsst.“

Über die Launenhaftigkeit des Aprils viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. „Wohl hundertmal schlägt das Wetter um, das ist des Aprils Privilegium“ – beschreibt eine alte Bauernregel dem „Eulenspiegel“ unter den Monaten treffend. Grund für das Chaos am Himmel und die häufige Achterbahnfahrt der Temperaturen ist der Kampf zwischen Warm- und Kaltluft über unseren Köpfen. Während sich das Polargebiet in den Frühjahrsmonaten nur langsam erwärmt, legen die Temperaturen im Mittelmeerraum rasch zu. Prallen die beiden sehr unterschiedlich temperierten Luftmassen über Mitteleuropa direkt aufeinander, was im April aufgrund einer besonderen Luftdruckverteilung recht häufig der Fall ist, bleiben heftige Wetterturbulenzen und Temperaturstürze nicht aus.

Erreicht die Polarluft auf ihrem Weg nach Süden unter Tiefdruckeinfluss das warme Festland, steigt die erwärmte Kaltluft vom Boden auf. Der vorhandene Wasserdampf kondensiert in der Höhe zu mächtigen Quellwolken. Im Gegenzug sinkt wie in einem Paternoster Luft aus oberen Luftschichten ab, wobei sich Wolkenauflösung einstellt. So kann sich das bekannte Streuselkuchenmuster am Himmel bilden mit einem raschen Wechsel von kurzen Aufheiterungen und starker Bewölkung sowie durchziehenden Regen-, Schnee- oder Graupelschauern. Typisch April eben!

Von Reinhard Zakrzewski