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Celle Stadt Celler Landwirten reicht es vorerst mit Regen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Landwirten reicht es vorerst mit Regen
18:13 28.06.2016
Celle Stadt

Regen, Sonne, Regen – gelegentlich auch unwetterartig. Was den meisten Cellern den Sommer manchmal sogar ein wenig verhagelt, ist für Landwirte der Region eigentlich ganz gut. „Auf den leichten Sandböden ist viel Feuchtigkeit sehr gut. Dann müssen wir nicht beregnen“, sagt Kreislandwirt Jürgen Mente.

Die Felder seien in einem guten Zustand, allerdings könnte es, wenn es nach ihm geht, jetzt mal eine Pause mit dem Regen geben, besonders im Nordkreis. „Dort hat es in den vergangenen Tagen sehr viel Niederschlag gegeben, und auf vielen Feldern gibt es Lagergetreide“, sagt Mente. Das bedeutet, dass die Halme unten am Boden liegen. Vom Prinzip her ist das nicht schlimm. Nur wenn es jetzt weiter so bleibt, „könnte es zu größeren Ernteverlusten kommen, daher wäre eine sonnige Periode jetzt sehr gut“, so Mente. Die nächsten Wochen werden also entscheiden, was das Jahr für die Getreidebauern bringt.

Ganz genau schauen derzeit auch die Kartoffelbauern hin. Denn in dem feuchtwarmen Klima besteht die Gefahr der sogenannten Krautfäule. Sie wird ausgelöst durch den Kartoffelmehltau, die Fachleute nennen ihn Phytophthora infestans. Dieser Pilz befällt die Pflanze und sorgt dafür, dass die Blätter verdorren und nur wenige sehr kleine Kartoffeln wachsen. „Die Anbauer sind jetzt regelmäßig an den Feldern unterwegs, um genau hinzuschauen“, sagt Mente. Es wird in Abstimmung mit dem Pflanzenschutzamt in Uelzen Pflanzenschutzmittel gespritzt. „Das ist von den Kosten her günstig. Wenn man erst spritzt, wenn Pflanzen schon befallen sind, wird es dagegen teuer“, sagt Mente.

Ulrich Marwede aus Endeholz ist Biolandwirt und baut auch Kartoffeln an. Er kann deshalb nicht einfach auf konventionelle Pflanzenschutzmittel zurückgreifen. „Wir nehmen deshalb Kupfer“, erklärt Marwede. Das chemische Element ist Pflanzenschutzmittel und Dünger in einem, denn es ist auch ein Spurenelement, das die Kartoffel benötigt. Kupfer tötet auch die Sporen des Mehltaus. „Man kann ihn damit unterdrücken, ganz raus bekommt man ihn nicht“, sagt Marwede. Kupfer wird nach seinen Worten auch vielfach im ökologischen Wein- und Obstanbau verwendet.

Wie gefährlich der Pilz für den Ernteertrag ist, macht Mente an einem historischen Beispiel deutlich. 1845 bis 1852 herrschte in Irland eine große Hungersnot, die auch als „Irish Potato Famine“ (Irische Kartoffel-Hungersnot) in die Geschichte einging. Schon damals war dieser Pilz dafür verantwortlich. Fast eine Million Menschen kamen ums Leben, Irland verlor fast ein Viertel seiner Bevölkerung.

Anders hingegen sieht es beim Mais und den Rüben aus. „Der Mais liebt dieses Wetter. Daher stehen die Felder gut da, auch bei den Rüben sieht es derzeit gut aus“, sagt Mente.

Von Tore Harmening