Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Linden bis zu Drittel eingekürzt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Linden bis zu Drittel eingekürzt
17:51 09.10.2016
Von zwei Arbeitsbühnen aus entfernten die Mitarbeiter des städtischen Grünbetriebs am Sonntag an 20 Linden Totholz und Austriebe. Außerdem erneuerten sie in schwindelnder Höhe die alten Kronensicherungen, damit Fußgänger bei Stürmen unverletzt bleiben. Etwa fünf Lkw-Ladungen Grünschnitt fuhren sie zum Lagerplatz in Garßen.  Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

"Bei so viel Publikumsverkehr an den Bushaltestellen ist das unter der Woche nicht möglich", erklärte Einsatzleiter Heiner Hoppenstedt. Außerdem sind Ferien, da ist das Gefährdungspotential durch herabfallende Äste deutlich geringer. Nur wenige Fußgänger bleiben in sicherer Entfernung stehen und beobachten die Arbeit der Kollegen auf den beiden Hebebühnen in schwindelnder Höhe.

Vor ungefähr fünf Jahren wurden die Bäume das letzte Mal mit Motorsäge und und Baumscheren zurückgeschnitten. "Mittlerweile sind die Linden in einem schlechten Zustand. Einige Bäume mussten wir etwa 30 Prozent einkürzen, weil viele Äste so vertrocknet waren", erläuterte Hoppenstedt. Das "Auslichten“ gehört unter Fachleuten oft zu den letzten kosmetischen Kunstgriffen, um eine finale „Wurzelbehandlung“ zu verhindern.

Als Grund für das viele Totholz nennt er die hohen Streusalzschäden der letzten Winter. Die Symptome für die Streusalznekrose sind deutlich zu erkennen: Blätter, die nicht herbstlich verfärbt, sondern verdorrt sind, kahle Äste oder gar völlig abgestorbene Baumkronen. Viele Blätter weisen braune Ränder auf. Die Folgen der Baumkrankheit: Es gibt keinen Zuwachs mehr, der Baum leidet an Faulstellen und Pilzbefall.

Die Linden sind rund 70 Jahre alt, haben schon unter so manchen Bauarbeiten gelitten und sollen aber noch weitere 20 Jahre stehen bleiben. "Wir wollen die Linden wieder vitalisieren. Wir machen sie kleiner, damit sie wieder mehr Kraft haben, ihre Krone mit Nährstoffen zu versorgen", sagte Hoppenstedt. Die Baumseiten zum Schloßplatz hin sehen vertrockneter aus als die zum Graben hin. "Daran sieht man, dass es den einen Wurzeln besser geht als den anderen." Die Wurzeln zur Mauer hin haben im Winter nicht so viel mit Streusalz zu kämpfen.

Bei etwa der Hälfte der Bäume wurden die Kronen mit neuen Sicherungen aus Stahl- oder Textilseilen versehen. "Die müssen alle acht Jahre ausgetauscht werden, damit die Bäume schwingen können", so Hoppenstedt. Außerdem sollen die Sicherungen bei stürmischem Wetter Leben retten. "Wenn ein dicker Ast abbricht, hat man ein paar Sekunden mehr, um zur Seite zu springen und sich nicht zu verletzen."

Die Beschneidung habe auch nichts mit den Sichtachsen zu tun, die sich so mancher ehemaliger Oberbürgermeister schon in Richtung Schloss gewünscht hat, betont Hoppenstedt.

Insgesamt sechs Lkw-Ladungen Grünschnitt brachten die Kollegen des Grünbetriebes zum Lagerplatz nach Garßen. Sie beeilten sich, damit sie nicht noch eine extra Sonntagsschicht einlegen müssen.

Von Dagny Rößler