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Celle Stadt Celler Memoriam-Garten: Bestattungskultur ohne Pflichten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Memoriam-Garten: Bestattungskultur ohne Pflichten
17:49 10.04.2016
Angießen des Memoriam-Gartens auf dem Friedhof Neuenhäusen. Uwe Stapelmann, Geschäftsführer der Treuhandstelle für Dauergrabpflege, Friedhofsgärtner Ulf Gleue, Friedhofsverwalterin Marita Kanne, Pastorin Carola Beuermann und Vorsitzender des Kirchenvorstands, Arved von Moller (von links), weihen das neue Gräberfeld ein. Quelle: Alex Sorokin
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Als „Rundum-Sorglos-Paket“ bezeichnet Pastorin Carola Beuermann das Modell der Bestattung. Allein die Verwendung dieses Begriffs zeigt, wie sehr sich die Bestattungskultur gewandelt hat, hebt er doch die Trennung zwischen den ökonomischen Notwendigkeiten und den seelischen und für viele auch religiösen Aspekten eines Trauerfalls völlig auf. Und so verwundert es wenig, dass bei der Feierstunde in der Ansprache des Geschäftsführers der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen, Uwe Stapelmann, auch von Zinsen und Inflation die Rede ist, um das Geschäftsmodell hinter dieser neuen Form der letzten Ruhe zu erläutern. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache verlässt er den wirtschaftlichen Bereich und zitiert aus dem Gedicht von Mascha Kaléko "Memento": "Den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der anderen muss man leben."

„Die Idee hat ganz viele Väter“, hatte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Gemeinde Neuenhäusen, Arved von Moller, eingangs den rund 40 Besuchern erklärt. Die Verantwortlichen reagieren mit der von Ulf Gleue sehr schön in einer Mischung aus Blumen, Gräsern und Bodendeckern bepflanzten, 132 Quadratmeter großen Anlage, in der Grabbegrenzungen zwar verschwimmen, individuelle Grabsteine aber dennoch möglich sind, auf gesellschaftliche Veränderungen. „Die Welt ist anstrengender geworden, für vieles bleibt einfach keine Zeit mehr“, beschreibt es Pastorin Beuermann in ihrer Andacht und ergänzt: „Dies ist ein Ort der Ruhe, an dem Freunde, Nachbarn und Angehörige sich den verstorbenen Menschen ins Herz zurückholen können“.

Die Beisetzung in dem von geschwungenen Wegen durchzogenen Garten mit einer kunstvoll gestalteten Basaltsäule als Mittelpunkt entbindet die Hinterbliebenen komplett von der Grabpflege. Ein Aspekt, der für Kathrin und Volker Maarzahl aus Celle nicht unbedeutend ist. „Meine Eltern haben sich gewünscht, dass wir mit ihnen an dieser Einweihung teilnehmen. Sie schauen sich um, wo es ein schönes Plätzchen für die letzte Ruhe gibt“, begründet Kathrin Maarzahl ihre Anwesenheit. Alle vier Familienmitglieder sind sehr angetan von der Feierstunde bei strahlendem Sonnenschein, finden „den Friedhof sehr schön und die Idee des Memoriam-Gartens richtig gut.“ Nähere Informationen unter www.neuenhaeusen.memoriam-garten.info.

Von Anke Schlicht