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Celle Stadt Celler Montessori-Schule wirft Kinder raus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Montessori-Schule wirft Kinder raus
07:37 28.05.2015
Von Gunther Meinrenken
Die Montessori-Schule in Celle hat Schulverträge mit kritischen Eltern gekündigt. Mitten im Schuljahr mussten sich die Erziehungsberechtigten eine neue Bildungseinrichtung suchen. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Viele Schüler an der Celler Montessori-Schule sind verunsichert und traurig. Das berichtet Benjamin Hänsch, dessen Tochter die Schule in Klein Hehlen besucht. „Die Kinder verstehen nicht, warum ihre Freunde nicht mehr kommen dürfen“, so der Vater, der damit auf einen Vorgang zu sprechen kommt, der nicht nur in Celle seinesgleichen suchen dürfte. Die Montessori-Schule hat einfach schulpflichtige Kinder von der Einrichtung verwiesen. Dabei haben die Schüler sich nichts zu Schulden kommen lassen, die Eltern haben lediglich kritische Fragen gestellt. Der Vorstand des Trägervereins reagierte mit der Kündigung der Verträge.

Schon seit längerem waren einige Eltern zunehmend unzufrieden. Umgangston, Arbeitsteilung, Personalsituation, Außenwirkung, Transparenz und der Montessori-Ansatz – eine ganze Reihe von Themen sollte Mitte April mit den Vereinsvorständen Frank von der Kammer und Meyke Grabner besprochen werden. Doch bei der Versammlung eskalierte die Situation.

Kurz zuvor hatte Kathrin Schulz Kontakt mit der Landesschulbehörde aufgenommen. Die Mutter wollte sich über die Vorgaben zur fachlichen Qualifikation der Lehrkräfte, an der Montessori-Schule Begleiter genannt, informieren. Dabei erlebte sie eine Überraschung: „Der zuständige Referent schlug vor, ich könnte mich darüber auch beim Schulleiter, Herrn von Schoenebeck, erkundigen“, erzählt Schulz, die erstaunt zurückfragte: „Bei wem?“ Denn der Name war ihr gänzlich unbekannt. Am selben Tag wurde die Elternvertreterin Silke Walz bei einem Info-Gespräch an der Oberschule Wathlingen ebenfalls auf den ihr unbekannten Schulleiter aufmerksam gemacht.

Die Verwunderung der Mütter kam nicht von ungefähr. Denn als Nachfolger für den vormaligen Schulleiter Peter Ferrari Demski hatte der Vereinsvorstand zu Beginn des aktuellen Schuljahres ein Gremium aus sich selbst sowie dem Realschul-Koordinator Stephan Ohl, der übrigens für die Celler Grünen im Stadtrat sitzt, und der Grundschulleiterin Birgit Klein eingesetzt. Das teilte der Verein den Eltern mit. An die Landesschulbehörde meldete der Vorstand hingegen Hubertus von Schoenebeck als Schulleiter, einen Vertreter der „Antipädagogik“. Gesehen hätten die Eltern von Schoenebeck an der Schule nie, sagen sie.

Silke Walz war wütend. In einer Whats-App-Gruppe, in der sie sich mit fünf anderen Eltern austauscht, hinterließ sie eine Sprachnachricht, in der sie ihrem Ärger freien Lauf ließ. Dann kam die Versammlung. Statt auf den Fragenkatalog einzugehen, soll der Vereinsvorstand von der Kammer von einer „Vendetta“ gegen den Vorstand gesprochen und die Sprachnachricht abgespielt haben. Es herrschte helle Aufregung.

Zwei Tage später erhielt Walz die Kündigung. Kurz darauf war auch Schulz an der Reihe sowie Elternvertreterin Sylvia Fierus, die das Abspielen der Nachricht kritisiert hatte. Kündigungsgrund: vereinsschädigendes Verhalten. Inhaltliche Begründung: keine. Weiteren Eltern wie Stefan Jakubik, ebenfalls Elternvertreter, soll mit der Kündigung des Vertrages gedroht worden sein, sollten sie mit ihrem Verhalten fortfahren. Der Vereinsvorstand bestreitet dies.

Silke Walz spricht von einem „Klima der Angst“, das mittlerweile an der Montessori-Schule herrsche. An den Eltern sei ein Exempel statuiert worden, um die anderen einzuschüchtern. Leiden würden vor allem die Kinder. „Meine Kinder sind todunglücklich, ihr soziales Umfeld ist weggebrochen. Sie denken, sie haben etwas falsch gemacht“, sagt Walz. „Den Lehrern fällt es schwer, den Kindern, die noch an der Schule sind, ihre Ängste zu nehmen“, so Hänsch. Die „Begleiter“ hätten Angst um ihren Arbeitsplatz.

Wie es mit der Montessori-Schule weitergeht, ist unklar. Um Benjamin Hänsch hat sich eine Elterninitiative gegründet, die die „Schule erhalten und die demokratischen Strukturen wiederherstellen möchte“. Am kommenden Dienstag, 2. Juni, soll es eine Versammlung geben, zu der der Vereinsvorstand, Eltern und die Lehrer eingeladen sind. Auch die Landesschulbehörde hat ihre Teilnahme zugesagt.

Schule und Trägerverein rechtfertigen Kündigungen mit "pädagogischen Gründen"

"Richtig ist, dass wir uns aus pädagogischen Gründen gezwungen sahen, die Verträge vor Ablauf des Schuljahres zu beenden. Sie können sicher sein, dass wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben", so die Schule. Außerdem hätten die Eltern ihrerseits die Schulverträge ordnungsgemäß, soll heißen zum Schuljahresende, gekündigt, heißt es. Es sei zudem eine Minderheit der Eltern, die in den vergangenen Wochen mit den Entscheidungen an der Schule nicht einverstanden gewesen sei. Die betroffenen Eltern sind über diese Äußerungen erstaunt. Ihnen wurde die Kündigung mit Verweis auf Paragraf 7, Absatz 4 des Schulvertrages begründet. "Pädagogische Gründe" als Kündigungsrechtfertigung taucht dort nicht auf.

"Bei der jüngsten Versammlung am 20. Mai wurde behauptet, die Lehrer hätten sich die Kündigungen gewünscht, weil die Schüler durch Fehlinformationen ihrer Eltern für Unruhe gesorgt haben", versucht Elternvertreter Stefan Jakubik die jetzigen Äußerungen der Schule nachzuvollziehen. Doch eine Beeinflussung der Kinder habe nicht stattgefunden.

Außerdem sei es nicht richtig, so Mutter Kathrin Schulz, dass alle von den Kündigungen betroffenen Eltern bereits zum Schuljahresende gekündigt hätten. In ihrem Fall sei dies nicht so gewesen. "Die anderen waren unzufrieden und frustriert, dass ihre Bemühungen um mehr Transparenz an der Schule beim Vorstand keinen Erfolg hatten. Sie wollen teilweise ihre Kinder auf die Montessori-Schule in Hannover schicken. Das zeigt ja, dass sie generell hinter dem Konzept stehen", so Schulz.

Die Schule behauptet, dass Hubertus von Schoenebeck ordnungsgemäß bei der Landesschulbehörde als Schulleiter gemeldet wurde. Das hat auch niemand bezweifelt. Verwundert waren die Eltern, dass ihnen jedoch ein Leitungsgremium aus Vereinsvorstand und zwei Lehrern als Schulleitung genannt wurde. Die Landesschulbehörde spricht auf Nachfrage der CZ in diesem Zusammenhang übrigens von "eventuellen Ungereimtheiten".