Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Museumscafé: Streit um Dichterraum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Museumscafé: Streit um Dichterraum
20:05 11.07.2014
Von Gunther Meinrenken
Daniele Baxmann und ihr Ehemann Rolf sind die neuen Pächter des Museumscafés, das am Dienstag wiedereröffnet wird. Nach Drohanrufen haben sie sich dazu entschieden, den Dichterraum (Bild oben) nicht zu übernehmen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

"Torte statt Worte." So überschreibt der Celler Autor Oskar Ansull seinen offenen Brief, in dem er sich gegen das Verschwinden des Dichterraums im Museumscafé an der Stechbahn wendet. Die neuen Pächter, die Konditoren Daniele und Rolf Baxmann, haben sich dazu entschieden, das kleine Zimmer, in dem Autoren verewigt wurden, die mit Celle verbunden sind, nicht zu erhalten. Das Lachen über diesen Wortwitz von Ansull dürfte den meisten allerdings im Halse stecken bleiben. Denn das Konditorenehepaar hat in den vergangenen Monaten immer wieder Drohanrufe bekommen.

"Wir werden mit Anrufen terrorisiert. Dabei hat man uns gesagt, dass nachts so einiges passieren könne", berichtet Daniele Baxmann. Das Ehepaar hat die Polizei eingeschaltet. Dort nimmt man den Vorfall ernst, fährt öfter Streife bei den Baxmanns. Zudem werde man auch bei der Eröffnung am kommenden Dienstag Präsenz zeigen, so ein Polizeisprecher.

Das Zimmer ist eingerichtet worden, als das Museumscafé vor ein paar Jahren in die ehemalige Löwenapotheke umgezogen ist. Die Idee kam von der Bibliotheksgesellschaft. Die Initiatoren wollten damit, so schreibt Ansull, "einen Ort für die Literatur in und um Celle schaffen, der vergangenen und gegenwärtigen Autoren auf eine lange Zeit einen sichtbaren Platz gibt". Die Bibliotheksgesellschaft kaufte diverse Leseexemplare. Die RWLE Möller Stiftung bezahlte 5000 Euro für die Gestaltung des Raumes etwa mit Zitaten diverser Schriftsteller und Autoren von Arno Schmidt bis Hermann Löns.

Das Problem: Die Einrichtung des Dichterraums beruhte auf einer mündlichen Absprache zwischen dem ehemaligen Pächter und der Bibliotheksgesellschaft. Im Vertrag mit der Stadt wurde der Erhalt des Literaturzimmers nicht festgeschrieben. Als der jetzige Pächterwechsel anstand, begann der Ärger.

"Wir haben Baxmanns auf den Raum hingewiesen", berichtet Elke Haas, Vorstandsmitglied der Bibliotheksgesellschaft. Baxmanns, so Haas, hätten gesagt, sich die Sache durch den Kopf gehen lassen zu wollen, nach einer Woche hätten sie sich melden wollen. "Doch nach einer Woche kam keine Antwort", sagt Haas. Selbst bei Baxmanns hat sie allerdings auch nicht angerufen. Die Verabredung habe anders gelautet, außerdem habe sie aus dem Gespräch das Gefühl mitgenommen, dass die neuen Pächter nicht am Erhalt des Dichterraums interessiert gewesen seien.

Die Baxmanns haben sich allerdings noch mit der Planung des Cafés beschäftigt. Dann habe sie dreimal versucht, die Bibliotheksgesellschaft zu erreichen – ohne Erfolg, so Daniele Baxmann. Als die Drohanrufe nicht abrissen, habe sich das Ehepaar letztlich dazu entschieden, den Dichterraum nicht zu erhalten.

In einem Gespräch bei der Stadt mit den Vorsitzenden der Bibliotheksgesellschaft, Jürgen Brandes und Erika Trichterborn, hätten diese "ganz klar gesagt, wenn wir den Raum nicht wollen, dann kommt er halt weg", erzählt Daniele Baxmann. Auch die Stadt erklärt, dass bei diesem Treffen "seitens der Bibliotheksgesellschaft alle Optionen offen gelassen wurden, was die künftige Gestaltung der Räumlichkeiten anbelangt." Und selbst Trichterborn sagt: "Der Erhalt des Raumes war in der Ausschreibung ja nicht mit drin. Natürlich kann die Firma Baxmann das Café einrichten, wie sie will." Am Ende sei man "sehr freundschaftlich" auseinander gegangen.