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Celle Stadt Celler: "Nähen mit der Maschine ist wie Autofahren"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler: "Nähen mit der Maschine ist wie Autofahren"
18:12 24.01.2017
Nähen, Stricken, Häkeln und Anstecker basteln: Das Nähcafé in der Alten Molkerei ist am Freitag in die "Sommersaison" gestartet. Die Ehrenamtliche Nina Geßler (von links) bringt den Stoff auf die passende Größe, Organisatorin Monika Höfgen und Besucherin Renate Hofmann tauschen sich über neue Muster aus. Quelle: Alex Sorokin
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An den fünf Tischen im Nähcafé der Alten Molkerei wird emsig gearbeitet und locker geplauscht. Monika Höfgen ist gelernte Schneiderin und erklärt Uwe Pirente gerade, wie er das Garn bei der Nähmaschine wieder einfädeln kann. Der 74-Jährige ist extra aus Groß Hehlen gekommen, um eine der drei Nähmaschinen aus dem Keller wieder fit zu machen. "Ich erkläre ihm im Schnelldurchlauf, wie man eine Nähmaschine bedient", so Höfgen. "Nach einer Stunde klappen die ersten Übungen schon ganz prima." Stolz zeigt Pirente seine ersten Muster auf einem grünen Stück Stoff.

Aus seinem letzten Sibirien-Urlaub hat er eine lange Unterhose mitgebracht, an die er eine Tasche annähen möchte. "Wenn man einen Anfang hat, geht das wie von selbst", sagt der einzige Mann im Raum, der im vergangenen Jahr den Haushalt seiner Frau übernommen hat. "Mit dem Fußpedal und den verschiedenen Gängen fühlt sich das an wie beim Autofahren."

Zusammen mit Frauke Fuchs und Gundy Hotopp leitet Höfgen nun jeden zweiten Freitagvormittag zwischen 9 und 13 Uhr den Austausch von kreativen Ideen. "Man kann es nicht allein mit Handarbeitsbüchern lernen, man muss es ausprobieren", betonen die Profis.

In der Alten Molkerei ist Platz für zehn Nähmaschinen, es gibt einen Zuschneidetisch und eine Bügelstation. Dank diakonischer Mittel ist die Teilnahme am Nähcafé kostenlos. In der Küche werden Kaffee und Tee gekocht und es gibt Kekse. Schließlich geht es nicht nur um den kreativen Austausch, sondern auch um Neuigkeiten aus der Nachbarschaft.

Alles fing mit dem eigenen kleinen Nähclub an. Nun startet das Nähcafé in die zweite Sommersaison. "Im Schnitt sind neun Gäste gekommen", erläutert Hotopp und freut sich: "Wie schön, dass eine bunte Mischung entstanden ist. Es wird gestrickt, gehäkelt und genäht."

Uwe Pirente ist zuversichtlich: "Im Prinzip können Männer alles außer Kinder kriegen." Doch nun braucht er wieder etwas Hilfe und sagt: "Wahrscheinlich hat sich wieder was vertüdelt." Höfgen antwortet: "Die Fäden verheddern sich gerne in der Maschine, aber wir haben das gleich wieder."

An einem Tisch liegen viele gespendete Stoffe und Schnittmuster aus. Die Ehrenamtliche Nina Geßler schneidet ein paar drollige Motive für die Anstecker-Produktion aus. "Wir ergänzen uns hier gut", sagt die 36-jährige Winserin. "Der eine weiß dies, der andere weiß jenes." So sei auch schon eine Mutter vorbeigekommen, um einen Bikini enger zu nähen.

"Früher haben wir unsere Kleidung nicht so einfach weggeworfen", erklärt Uwe Pirente. Er wird wahrscheinlich wieder ins Nähcafé kommen: "Je mehr man sich im Alter zutraut, umso weniger Probleme hat man mit dem Gedächtnis".

Von Dagny Rößler