Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Nazi-Straßennamen sollen weg
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Nazi-Straßennamen sollen weg
17:00 02.02.2015
Von Michael Ende
Die Politiker im Celler Stadtrat wollen nicht länger durch Straßenbenennungen prominente NS-Generäle ehren: Die Rommelstraße soll umbenannt werden. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Fast hätte die Celler Politik vergessen, sich mit jenen Militärs zu beschäftigen, die es nicht verdient haben, per Straßenbenennung geehrt zu werden. Erst als die CZ im September 2014 nachdrücklich darauf hinwies, dass im Celler Straßenverzeichnis nicht aufgearbeitete Nazi-Altlasten schlummerten, beschäftigten sich die Ratsfraktionen damit. Sie hatten die unangenehme Diskussion 2010 ad acta gelegt – und das, obwohl sich das sogenannte Strebel-Gutachten, das unter anderem die Basis für die Umbenennung des nach dem SS-Obersturmführer und späteren Celler Oberbürgermeister Helmuth Hörstmann benannten Weges war, deutlich über NS-Generäle als Namenspatrone geäußert hatte.

Der Celler Historiker Reinhard Rohde, der sich im Rahmen des Projekts „Celle im Nationalsozialismus“ eingehend auch mit von Fritsch beschäftigt hat, fordert, dass das Strebel-Gutachten komplett abgearbeitet wird. SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Rentsch sagt, er sei bereits 2010, als er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Celle gewesen sei, dafür gewesen, die Namen von NS-Generälen wie von Fritsch, Rommel oder Stülpnagel aus dem Straßenbild zu entfernen.

Alle drei NS-Generäle fielen später bei Hitler in Ungnade – das allein sei noch kein Verdienst, befanden jetzt die Fraktionen im Celler Stadtrat, nachdem sie noch einmal ins Strebel-Gutachten geschaut hatten. „Aufgrund der Verstrickung der namensgebenden Persönlichkeiten in das NS-Regime wird eine Umbenennung für sinnvoll gehalten“, so Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD): „Der Verwaltungsausschuss empfiehlt den Ortsräten Groß Hehlen gemeinsam mit Scheuen und Hustedt sowie Klein Hehlen, die Umbenennung der Fritschstraße, der Rommelstraße und der Stülpnagelstraße zu prüfen.“ Scheuens Ortsbürgermeister Axel Fuchs (CDU) hat sich schon eindeutig für eine Umbenennung der Fritschstraße ausgesprochen. Die Neubenennung der betreffenden Straßen obliegt ebenfalls den Ortsräten.

Bleiben soll hingegen die 77er Straße. Diese Frage stand im Raum, nachdem bekannt wurde, dass Soldaten des Celler Infanterieregiments 77 vor 100 Jahren in Belgien Hunderte von Zivilisten massakriert hatten. „Die 77er Straße soll nicht umbenannt werden“, so Mende: „Vielmehr erarbeitet die Verwaltung in Abstimmung mit den zuständigen Stellen in Fambreville einen Erläuterungstext für das Ehrenmal am Neuen Rathaus sowie in knapperer Form für die Straßen- und Brückenbeschilderung.“