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Celle Stadt Celler Oberbürgermeister gegen Planung des Landes
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Oberbürgermeister gegen Planung des Landes
20:29 18.11.2014
Von Michael Ende
OB Dirk.Ulrich Mende zieht Halbzeitbilanz Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

„Verden, Munster, Walsrode, Uelzen - damit kann man Celle sicher nicht vergleichen“, sagt Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Er spielt nicht etwa auf die Tatsache an, dass Uelzen eine Ortsumgehung hat und Celle nicht, sondern darauf, dass Celle viel wichtiger sei als diese Mittelzentren. Deshalb habe das Land in seinem Raumordnungsprogramm Celle auch 2007 als Oberzentrum eingestuft. „Nach oben gibt es jetzt keine Begrenzungen mehr“, meinte seinerzeit der damalige Oberbürgermeister Martin Biermann (CDU). In der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen sei man nun „auf Augenhöhe mit den anderen Oberzentren“.

Die Landeshauptstadt Hannover mit ihrer halben Million Einwohner steht somit auf einer Stufe mit Celle, dessen Bevölkerung Prognosen zufolge bis 2030 um neun Prozent auf rund 64.100 schrumpfen wird. Damit kann Mende leben. Doch mit der theoretischen Augenhöhe soll es nun vorbei sein. „In seinem Entwurf zum neuen Landesraumordnungsprogramm stellt das Land Mittel- und Oberzentren praktisch auf eine Stufe - und das kann nicht sein“, sagt der OB und denkt dabei an Mittelzentren wie das 13.000-Einwohner-Städtchen Quakenbrück.

Mendes Amtskollege aus der 122.000 Einwohner-Stadt Wolfsburg, Klaus Mohrs (SPD), findet deutliche Worte zur neuen Ordnung des Landes: „Das ist großer Mist, der in dem Entwurf steht.“ Mende: „Dem schließe ich mich an.“ Das Land habe seine Hausaufgaben nicht gemacht: „Würde die jetzige Planung greifen, dann hieße dies, dass Celle ein kleineres Einzugsgebiet als der Landkreis hat - das ist realitätsfern.“

Konkret kritisiert die Stadt am Raumordnungsplan-Entwurf, dass bewährte Grundsätze aufgegeben werden sollten. Wie etwa der, demzufolge sich die Siedlungsentwicklung an den vorhandenen Zentren ausrichten solle. Auch drohten die Richtlinien für die Wirtschaftsentwicklung aufgeweicht zu werden, so Mende: „Die Gleichbehandlung von Mittel- und Oberzentren bei der Thematik Einzelhandel führt letztlich zu einer Schwächung der Oberzentren und des Zentrale-Orte-Systems.“ Ihm falle auch auf, dass das Raumordnungsprogramm nach wie vor keinerlei Aussagen zur angestrebten Anbindungsqualität der Zenten liefere: „Die Erreichbarkeit Celles über den schienengebundenen ÖPNV stellt aber einen wichtigen Faktor bei Fragen der städtischen Entwicklung dar.“ Der Stadtrat solle in Kürze eine entsprechende Resolution verabschieden.

Auf die Frage, was der Status „Oberzentrum“ der Stadt Celle bisher gebracht habe, antwortet Mende, dass das nicht in erster Linie an konkreten Projekten wie etwa dem im Bau befindlichen Bohrsimulator zu messen sei: „Wir genießen durch die Einstufung eine ganz andere Wahrnehmung. Ich habe es schon erlebt, dass Menschen, die gehört haben, dass wir Oberzentrum sind, unsere Stadt auf 150.000 Einwohner geschätzt haben.“ Vor Fehleinschätzungen dieser Art ist man in Hannover gefeit. So hat der prestigeträchtige Status „Oberzentrum“ das Land nicht gehindert, in Kürze die Celler JVA Salinenmoor zu schließen.

Mende bleibt dabei: Er will weiter OB eines Oberzentrums bleiben: „Was ich in Zukunft vorhabe, kann ich nur realisieren, wenn unser Status nicht angetastet wird. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) wirft er vor, sich schlicht nicht auszukennen: „Der neue Minister muss sich im Land wohl erst noch orientieren.“