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Celle Stadt Celler Optiker trotzen Online-Konkurrenz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Optiker trotzen Online-Konkurrenz
18:51 22.10.2015
Kontaktlinsenträger können bei Christopher Raschke (links) von "Die Optik" untersuchen lassen, wie stark die Hornhaut verkrümmt ist. Der Keratograph analysiert unter anderem den Tränenfilm und den Rötungsgrad der Augen.  Quelle: Alex Sorokin
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Augenoptikermeister Christopher Raschke reagiert gelassen auf die Online-Konkurrenz: "Solange es nur um eine Lesebrille geht und der Kunde noch halbwegs gucken kann, reichen ihm Standardbrillen bei Amazon und Co. Doch so Spezialgeschichten wird das Internet nie können." Raschke, Geschäftsführer von "Die Optik", meint damit zum Beispiel Visualtrainings für Kinder und Erwachsene, Monokulare für sehbehinderte Menschen, 3-D-Messtechnik und den Keratographen, ein Gerät zur professionellen Kontaktlinsen-Anpassung.

Nach einer Statistik des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen wurden 2014 in Deutschland 650.000 Brillen im Internet verkauft. Die Onlinehändler verzeichneten damit ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Andreas Fiemel von der Augenweide ist einer der 14 Celler Augenoptiker. Ihn beeindrucken diese Geschäftszahlen nicht, da die gesamte Branche rund 11,5 Millionen Brillen verkaufte. Der Anteil der Internetbrillen lag dabei bei rund fünf Prozent: "Ich mache mir keine Sorgen, weil die Brille ein zu komplexes Produkt ist." Im Internet gehe es nur um den Preis, aber nicht um die Augengesundheit.

Fiemel erklärt, dass die Optiker nicht nur vom demografischen Wandel profitieren, sondern dass die Brille in den letzten Jahren gesellschaftsfähiger geworden ist: "Heute ist sie auch Schmuck, früher war sie so etwas wie eine Krücke oder Prothese." Der Trend geht zur Zweit- oder Drittbrille. Einige wechseln zwischen Kontaktlinsen und Brille. Darauf, dass Brillen zu modischen Accessoires geworden sind, hat sich der Filialist "Eyes & More" eingestellt. Dort hat jedes Modell den gleichen Preis, Markenbrillen gibt es nicht. "Jährlich entwickeln wir selbst sechs neue Kollektionen", erklärt Store Managerin Stefanie Schmidt-Reckleben.

Auch online können die Kunden Brillen anprobieren, indem sie ein Porträtfoto hochladen. Doch aus Erfahrung sagt Schmidt-Reckleben, dass es nur wenige Internetkäufer gibt. Das viele "Hin- und Zurückschicken" der Brillen sei zu aufwendig. Die Konkurrenten Fielmann oder Apollo haben zwar einen Online-Auftritt und zeigen dort ihre Modelle, doch am Ende kommt der Kunde nicht um einen Filialbesuch herum. Pro Optik und Optik Springhorn locken die Kunden mit Ein-Euro-Angeboten für Marken-Fassungen in die Geschäfte.

Auch Gleitsichtspezialist Helmut Schulenberg von Blickwinkel Celle hat die Internetanbieter im Auge, er kooperiert mit Brillen-Butler.de. Für das Angebot dieser Seite bietet er den Service zur Vermessung an, auch bei ihm können die bestellten Brillen abgeholt werden. Doch das Interesse sei "überschaubar." Damit die Sehhilfen farblich zur Kleidung passen, bietet er Bügelwechselsysteme an. "Die Brille ist ein haptisches Produkt, das möchte man gerne mal anfassen."

Von Dagny Rößler