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Celle Stadt Celler Orgelsommer: Wiedersehen mit Celler Abiturienten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Orgelsommer: Wiedersehen mit Celler Abiturienten
19:59 30.08.2010
Kirchenmusikdirektor Martin Winkler (stehend) mit seinen ehemaligen Schützlingen (von links) Lilian Hermes, Johannes Kruse und Elisabeth Reda an der Orgel der Celler Stadtkirche. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Allzu oft kann man das Vergnügen der Organisten, die auf einer schönen Orgel spielen dürfen, leider nicht sehen, aber in der Stadtkirche konnte man es wieder einmal umso besser hören. Spürbar beeindruckt lauschten die Zuhörer den Vorträgen der jungen Kirchenmusik-Studenten Lilian Hermes (23, Leipzig), Elisabeth Reda (21, Stuttgart) und Johannes Kruse (24, Lübeck), die alle an Celler Gymnasien ihr Abitur gemacht haben. Bei ausgewählten Kompositionen von Bach, Buxtehude, Langlais und Bruhns erwiesen sie sich als fantasievolle und aufgeschlossene musikalische Gestalter. Sie hatten sich Toccaten und Fugen ausgewählt, die sich herrlich spielen lassen, da sie voller Fantasie und Abwechslung, voller Virtuosität und Kühnheit stecken. Und schon bald wurde der Vorteil dieser jungen Organisten-Generation offenkundig: Was die „Alten“ lehrten, ist ihnen im positiven Sinne zur Selbstverständlichkeit geworden, zum Fundament quasi, auf dem sie ihre eigenen künstlerischen Visionen schöpferisch entfalten können. Die drei jungen Interpreten entwickelten „neue“ Fantasien und brachten damit auf innovative Weise die Schönheit der Musik zum Vorschein.

Mit ihrer jugendlichen Frische förderten sie aber nicht nur den in der Polyphonie versteckten „Groove“ zu Tage, sondern ließen auch die ganze Klangpracht der barocken Stadtkirchenorgel mit ihren fünfzig Registern erstrahlen. Das wurde besonders bei der „dorischen“ Toccata Bachs deutlich, deren Episoden Hermes geschickt auf den vier Manualen zu verteilen wusste. Mit breitströmendem Tempo entfaltete sie die ganze Größe und Majestät der kompositorischen Architektur, die bei kleineren Orgeln nur in begrenztem Format wiedergegeben werden kann. Jeder der drei Interpreten machte auf seine Weise deutlich, dass er sich von den Partituren keine starren Fesseln anlegen lässt. Mit kluger Registrierung nutzten sie die Gestaltungsspielräume, wobei sie die Töne dicht aneinander zu binden verstanden, ohne dabei die Details zu verwischen. Allerdings liefen sie bisweilen auch Gefahr, die Stücke durch einen Überreichtum an Ausdruck zu sprengen. Aber gerade solche Momente steigerten noch die Sympathie des begeisterten Publikums für die jungen Interpreten und das berauschende Konzerterlebnis.

Von Rolf-Dieter Diehl