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Celle Stadt Celler Pastoren: "Gott geht es um mehr als eine Traumfigur"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Pastoren: "Gott geht es um mehr als eine Traumfigur"
16:10 04.12.2016
Barbie war schon Astronautin oder Präsidentin. Doch als Pfarrerin habe Pastor Andreas Flick sie noch nicht gesehen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Als Pastor Andreas Flick das erste Mal hörte, dass das Bomann-Museum eine Schau über Barbie-Puppen plane, habe er spontan "ohje" gedacht. Denn schließlich zählt ein evangelischer Adventsgottesdienst seit drei Jahren zum Rahmenprogramm der Weihnachtsausstellung, den die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde und die Concordia-Gemeinde gemeinsam gestalten. Für die gestrige Veranstaltung musste sich Flick erst einmal einlesen, denn seine Töchter hätten nicht mit Barbies gespielt und in der Bibel werden keine Puppen erwähnt – auch wenn es sie zu Lebzeiten von Jesus bereits gab.

Doch ist die "Schönheit" nicht erst Thema von Hochglanz-Magazinen. In der Bibel gibt es einige Textstellen dazu. "Lieblich und schön sein ist nichts; ein Weib, das den Herr fürchtet, soll man loben", heißt es schon im Alten Testament. Auch wenn Gott die ästhetische Freude am Himmel und Landschaften habe, gehe es ihm "um mehr als eine Traumfigur", erklärte Flick. "Wahre Werte sind nichts Äußerliches, sondern Innerliches. Schaut in unser Herz", betonte der Pastor.

Die Barbie-Ausstellung bezeichnete Flick als "durchaus sehenswert", da die Modepuppe in Sachen Berufswahl ihrer Zeit weit voraus gewesen sei. Auch wenn er bemängelte, dass Barbie nie in einer Kirche zu sehen sei. "Barbie hat keine Religion", so Flick.

Nachdem Flick zum rosaroten Adventskalender griff, sagte Peter Söllner, Pastor der Concordia-Gemeinde: "Das bleibt unvergessen." In seiner Predigt sprach er über die Töchter Zions, "die mit gerecktem Halse, blinzelnden Augen, und trippelnd einhergehen und mit ihren Fußspangen klirren." Ihr Schmuck: Fußspangen, Stirnbänder, Ohrgehänge, Armketten, Gürtel, Nasenringe und Handspiegel. Diese Aufzählung stammt nicht aus einem Katalog, sondern aus dem Buch Jesaja.

"Kleider machen Christen", so Söllners Überzeugung. Doch entsprächen diese im übertragenen Sinne nicht der "äußeren Kleiderordnung". Die anspruchsvolle Mode bestehe aus fünf verschiedenen Kleidungsstücken: Erbarmen ermögliche das Zusammenleben nach Versagen. Aus dem Herzen kommende Freundlichkeit verbinde die Menschen. Demut sorge dafür, sich Kritik zu öffnen. Mit Sanftmut versuche man, Fremde zu verstehen. Und die Geduld sei besonders wertvoll, so Söllner.

"Doch ohne eine Sache würden des Christen neue Kleider nicht am Körper bleiben. Er wäre sonst nackt. Der Gürtel der Liebe muss alles halten, dann sitzen auch die Kleider", betonte Söllner. Anlässlich der Barbie-Ausstellung könnten Celler nun über den dummen und den klugen Umgang mit Kleidung diskutieren: "Möge dies gelingen".

Von Dagny Rößler