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Celle Stadt Celler Schafzüchter hoffen auf neue Abschussquote für Wölfe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schafzüchter hoffen auf neue Abschussquote für Wölfe
12:59 07.11.2018
Von Christoph Zimmer
Heidschnuckenzüchter Peter Hinnerk Tewes (rechts) aus Schmarbeck hat auf den Wolfsriss in seiner Herde reagiert und einen weiteren Elektrozaun aufgestellt. Seitdem ist die von Schäfer Hans Stolz gehütete Herde nicht mehr angegriffen worden. Quelle: Schulze, Philipp
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Schmidt hat mit seiner Äußerung in der aktuellen Debatte polarisiert. "Wir kommen an einen Punkt, wo wir im Rahmen der Bestandskontrolle über eine begrenzte Abschussfreigabe für Wölfe reden müssen", sagte er in einem Interview. "Die Grenze für die Ausbreitung des Wolfes liegt dort, wo sein Bestand die Tierhaltung stark beeinträchtigt. Schafe, Rinder und Pferde müssen geschützt werden." Wolfsfreunde warfen ihm vor, mit den uralten Ängsten der Menschen vorm bösen Wolf zu spielen. Auch ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sprach von Wahlkampfgetöse.

Es könnte aber auch sein, dass der Minister den Vorfall aus dem Kiehnmoor bei Faßberg im Juli im Blick hatte. Dort hatte ein Wolf einen laut Wolfsbüro wolfssicheren Elektrozaun, der 120 Zentimeter hoch und mit einer Spannung von 5000 Volt gesichert war, einfach übersprungen und vier Tiere in dem Nachtpferch gerissen. Wolfsberater Volkhard Pohlmann aus Groß Hehlen bestätigte das in seinem Bericht eindeutig.

Heidschnuckenzüchter Peter Hinnerk Tewes aus Schmarbeck hat auf den Wolfsriss in seiner Herde reagiert. Er sicherte den Nachtpferch, in dem die rund 900 Tiere seiner Herde nachts untergebracht sind, mit einem baugleichen weiteren Zaun in einem Abstand von einem Meter. Seitdem ist es ruhig geblieben. "Das hat offenbar Wirkung gezeigt", sagte Tewes.

Mit einem Ergebnis aus der Untersuchung des Genmaterials des Wolfes nach dem Vorfall rechnet Tewes erst Angang August. "Ich hoffe auf eine schnelle Antwort und einen entsprechenden Lösungsvorschlag, wie ein Schutz in Zukunft aussehen soll beziehungsweise wie mit einem solchen Wolf umgegangen wird", sagt der Züchter in Richtung des Wolfsbüros des Landes.

Kuhlmann rechnet nicht mit einem schnellen Ergebnis, das laut Wolfsbüro innerhalb von 14 Tagen vorliegen soll. "Wenn es einen Unfall gegeben hat, steht nach zwei Tagen fest, dass es sich bei dem überfahrenen Tier um einen Wolf handelt. Warum geht das nicht auch in diesem Fall?", fragt Kuhlmann und liefert die Antwort gleich mit. "Es ist offenbar eine unangenehme Wahrheit, die nicht jedem ins Bild passt", sagt er.

Unterstützung erhalten Kuhlmann und Tewes auch von Günter Ilper. "Eine Festlegung einer verträglichen Obergrenze für die hiesigen Wolfsbestände ist überfällig. Dabei müssen die vermauschelten Bestandszahlen nachvollziehbar offengelegt werden", sagt der Ehrenvorsitzende der Kreisjägerschaft aus Celle. "Dazu gehört auch die einwandfreie genetische Zuordnung der Wölfe nach ihrer Herkunft, auch hier mauert der Minister, obwohl ihm diese Zahlen bekannt sind." Er verweist auf Länder in der Europäischen Union wie Frankreich und Schweden, wo eine Reduzierung bereits bei geltendem europäischen Recht, das den Wolf als besonders zu schützende Art einstuft, ermöglicht und praktiziert werde.

Ilper und die Züchter werfen dem Land außerdem vor, dass die vom Wolfsbüro empfohlenen Maßnahmen zum Schutz vor dem Wolf nicht ausreichen und die finanzielle Hilfe beim Schutz und im Falle eines Angriffs den materiellen und persönlichen Schaden nicht decken.