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Celle Stadt Celler Schausteller-Urgestein: "Mandeln sind der Dauerbrenner"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schausteller-Urgestein: "Mandeln sind der Dauerbrenner"
15:44 18.07.2014
Hr. Rosenstädt ist seit 50 Jahren Schausteller auf dem Celler Schützenfest Rosenstädt an einem seiner Wagen Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Seine Karriere als Schausteller wurde Erich Rosenstädt quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Johannes hat 1913 das Familienunternehmen, das auf Süß- und Wurstwaren spezialisiert war, gegründet und ist seitdem mit einer Bude auf dem Celler Volks- und Schützenfest am Start gewesen. "Ich war bereits als Kind fasziniert von dem Rummel-Flair", erinnert sich der 72-Jährige zurück. "Als die Veranstaltung immer größer wurde, hat mein Vater den ersten Wagen für 12.000 Reichsmark angeschafft. Der hat damals noch soviel gekostet wie ein Einfamilienhaus." 1964 hat Rosenstädt das Familienunternehmen übernommen und bietet seitdem auf Festen seine Süßigkeiten feil - auch seine zwei Kinder sind seit einigen Jahren mit eigenen Wagen im sogenannten Reisegewerbe tätig.

Das Angebot des fahrenden Süßwaren-Händlers hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt. Während früher noch Schokolade sowie Honig- und Lebkuchen gefragte Delikatessen waren, sind diese heute komplett aus dem Sortiment verschwunden. "Die frisch gebrannten Mandeln oder auch Nüsse sind immer noch ein Dauerbrenner", so Rosenstädt. Lakritze, Wein- und Fruchtgummi sind zwar stark vertreten, doch auch hier zeichnet sich ein Abwärtstrend ab: "Das Zeug kriegt man ja mittlerweile sogar an der Kasse beim Baumarkt."

Obwohl das Schausteller-Urgestein bereits 72 Jahre "auf dem Tacho" hat, steht er immer noch selbst den ganzen Tag hinter seiner Süßwaren-Theke: "Wenn ich zuhause bliebe, würde mir die Decke auf den Kopf fallen." Früher habe er von März bis Dezember mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Edith die Festplätze in ganz Niedersachsen abgegrast, heute sind es nur noch acht Veranstaltungen aufs ganze Jahr verteilt.

"Viele Feste sind im Laufe der Zeit weggebrochen. Dies ist noch das Gerippe, was übrig geblieben ist", bilanziert Rosenstädt, der dafür ein breiteres Freizeitangebot und ein sich veränderndes Interesse der jüngeren Generationen als Gründe anführt. "Die Besucherzahlen nehmen stetig ab." Ein Trend, der auch auf das Celler Volks- und Schützenfest übertragbar sei. Früher standen er und sein Team mit vier Wagen auf der Allerinsel, heute ist es nur noch einer.

Doch ans Aufhören denkt der 72-Jährige, der sich auch zwölf Jahre lang im Deutschen Schaustellerbund um die Belange der Branche gekümmert hat, dennoch nicht: "Sonst würde mir etwas in meinem Leben fehlen." Kai Knoche

Von Kai Knoche