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Celle Stadt Celler Schlossbergfete wird immer friedlicher (mit Bildergalerie und Kurzvideo)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schlossbergfete wird immer friedlicher (mit Bildergalerie und Kurzvideo)
22:02 21.06.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Zwei Jugendliche zählen bis drei, dann macht es platsch. Und schon ist wieder ein Mädchen im Schlossgraben gelandet. Julius Söhner von Ernestinum ist einer der zwei Werfer. Den letzten Schultag hat er ab 12 Uhr am Schlossberg verbracht. Die Sachen des Elftklässlers sind gerade getrocknet. "Wir haben uns alle gegenseitig in den Schlossgraben geworfen. Das ist erfrischend. Sonst haben wir heute nicht so viel gemacht", erzählt er.

600 Jugendliche haben am Mittwochnachmittag ausgelassen ihren letzten Schultag vor den Sommerferien gefeiert. Auch das Jugendamt, die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser waren vor Ort und hatten nicht viel zu tun.

Wenige Augenblicke später landet auch Nele Hansen vom KAV-Gymnasium in der trüben Brühe. Schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Die Zehntklässlerin zeigt auf ihre blauen Arme und Beine und betont: "Die Organisatoren könnten das nächste Mal die spitzen Steine aus dem Graben holen." Am Ufer bekommt sie von der "Handybeauftragten" ihrer Gruppe ihr trockenes Smartphone wieder.

"Früher haben noch alle geklatscht, wenn jemand in den Schlossgraben geworfen wurde", erzählen Silas Bolz und Hannes Heuer. "Jetzt juckt es keinen mehr". Die beiden sind gerade mit der Schule fertig geworden. Seit fünf Jahren gehen sie regelmäßig zur Schlossbergfete. Für Hannes Heuer vom Hölty-Gymnasium gehört es zur Tradition, eine Wassermelone mitzubringen. "Vor ein paar Jahren war ich bei Penny und hatte kein Geld mehr", sagt der 18-Jährige. "Alles, was ich mir kaufen konnte, war eine Wassermelone". Auch heute ist die Melone wieder dabei, ganz traditionell wird sie mit bloßen Händen aufgeschlagen und gegessen. Für Silas Bolz von den BBS II gehört es dazu, ein paar gelbe Säcke mitzunehmen und den eigenen Müll wieder einzusammeln. Voriges Jahr hat er auch das Pfand anderer Schüler eingesammelt. "Am Ende bin ich auf 22,48 Euro gekommen", betont der 19-Jährige. Im vergangenen Jahr habe er aber auch ein elfjähriges Mädchen nach Hause gebracht, das schon Bier und Wein getrunken hatte.

Damit Minderjährige bei der Schlossbergfete so wenig Alkohol wie möglich trinken, gibt es nicht nur Einlasskontrollen, durch die das Mitbringen von Glasflaschen verhindert wird. Dieses Mal werden dort wie bei Festivals Bändchen verteilt. Wer ein rotes Bändchen trägt, ist noch zu jung für Alkohol. Wer ein gelbes Bändchen bekommt, darf nur Bier und Wein trinken. Wer ein grünes bekommt, darf auch die härteren Sachen dabei haben.

Insgesamt 18 Mitarbeiter vom DRK und den Maltesern sind vor Ort. Jan Geisler von der Einsatzleitung sagt, dass es durch die Einlasskontrollen deutlich weniger zu tun gebe als in den Jahren zuvor. Vor dem Schloss erläutert er: "Wo früher viele Leute waren, ist heute nur noch grüner Rasen." Er habe auch einige Schülergruppen gesehen, die auf dem Weg vom Berg zum Schlossplatz waren. Vielleicht um mit dem Bus an einen Ort zu fahren, wo die Schüler ungestört sein können. Auch die Polizei ist dieser Vermutung nachgegangen. "Unsere Kollegen haben auch die Dammaschwiesen kontrolliert, doch dort haben sie keine Jugendlichen angetroffen", sagt Polizeisprecherin Anne Hasselmann. Ihre Bilanz: "Während der Schlossbergfete kam zu einer wechselseitigen Körperverletzung. Darüber hinaus wurden vier Ermittlungsverfahren wegen Betäubungsmittelverstößen eingeleitet sowie ein Verstoß gegen das Waffengesetz, da ein Schüler ein Messer dabei hatte. Das DRK hatte einen sehr ruhigen Tag. Lediglich ein verdrehtes Knie musste versorgt werden. Alkoholbedingte Behandlungen waren nicht erforderlich."

Vor allem für elektronische Musik sorgt heute Lucas Buchholz von der Fachoberschule Gestaltung. Die 16 Kilogramm schwere Musikbox hat er mit einem Freund zusammen die letzten 300 Meter vom Parkplatz bis zum Schlossberg geschleppt. Der 19-Jährige erzählt: "Ich komme aus Celle und bin seit fünf Jahren immer bei der Schlossbergfete. Das heißt: einmal im Jahr bei schönem Wetter trinken und Spaß haben."