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Celle Stadt Celler Schlosstheater: „Der zerbrochne Krug“ feiert Premiere in der Halle 19
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schlosstheater: „Der zerbrochne Krug“ feiert Premiere in der Halle 19
18:39 22.04.2016
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Die Sache ist äußerst pikant. Da helfen nur gut durchdachte Tricks, denn zu allem Unglück hat sich auch noch Gerichtsrätin Walter zur Prüfung angemeldet. Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ steht am Samstag, 30. April, als Premiere in der Halle 19 auf dem Programm. Überraschende Ergänzungen allerdings behält man sich im Schlosstheater ausdrücklich vor. Sie werden zu einem unterhaltsamen Theaterabend jedoch auf jeden Fall beitragen.

„Mich hat es gereizt“, sagt augenzwinkernd Intendant und Regisseur Andreas Döring, „die Not, in der sich Richter Adam befindet, noch zu vergrößern. Schließlich beginnt jetzt in Celle so langsam der Kommunalwahlkampf. Da bewerben sich ja solche Männer schon gerne mal um ein Mandat.“ Auf das, was Döring damit meint, darf man gespannt sein. Er selbst hält sich weitgehend bedeckt. „Gerade unter Männern gibt es ja immer Typen, die den Mund gerne vollnehmen, es faustdick hinter den Ohren haben und sich gerne wählen lassen“, lässt sich Döring nur noch entlocken.

Die üblichen Rollenklischees eines etwas fülligen und hektisch um Übersicht kämpfenden Dorfrichters jedenfalls möchte er durchbrechen und hat deshalb auch die Rolle des Gerichtsrats mit einer Darstellerin besetzt. „Ich möchte die Geschlechteraufteilung in der männlich dominierten Richterwelt deutlicher werden lassen“, sagt er, „warum sollte sie nicht von einer Frau aus der Landeshauptstadt überprüft werden?“

Ansonsten setzt Döring vor allem auf die Sprache, an der man nichts geändert habe, und auf die Verdeutlichung der Ursachen für die Gerichtsverhandlung. Für ihn ist Dorfrichter Adam ein sympathischer, eloquenter, charmanter Typ, der in der Lage ist, seine wahren Absichten geschickt zu verschleiern. „Was Eve über die Geschehnisse in der Nacht erzählt, ist kurz vor der Vergewaltigung und hochkriminell. Wenn man hört, was Adam wirklich gemacht hat, bekommt das Stück noch eine zusätzliche Dimension“, erläutert Döring.

„Der zerbrochne Krug“ sei ein fantastisches Stück und in der Anlage der Rollen für Schauspieler geradezu großartig. „Über das Sprachkleid gibt der Autor so viele Hinweise auf das Denken und die Empfindungen der einzelnen Figuren, dass man daraus wirkliche Charaktere entwickeln kann.“

Im Rahmen der „Theater Landpartie“ geht die Produktion ab 28. Mai als Open-Air-Stück auch nach Müden/Örtze, Eversen, Wathlingen, Eschede, Wieckenberg, Wienhausen und Hermannsburg. Unter Einbeziehung der örtlichen Gegebenheiten dürfte das Stück dann sicher noch weitere Veränderungen erfahren.

Von Hartmut Jakubowsky