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Celle Stadt Celler Schlosstheater: Kaczmarek nur durch Zufall Schauspieler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schlosstheater: Kaczmarek nur durch Zufall Schauspieler
13:02 29.11.2013
Von Jürgen Poestges
Jürgen Kaczmarek, als Schauspieler im Schlosstheater eine - Institution, steht bereits seit 35 Jahren auf der Bühne. Quelle: Gert Neumann
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Ein Handy benutzt er nicht, die E-Mail-Adresse muss er aus einem Notizbuch ablesen, es ist die seiner Frau. Und ein Bart ziert seine Gesicht. Der ist seiner derzeitigen Rolle am Schlosstheater geschuldet. Jürgen Kaczmarek spielt die Titelrolle in dem Stück „Leben des Galilei“, das noch bis zum 8. Dezember auf der Hauptbühne zu sehen ist. „Es macht Spaß, dieses Stück“, sagt der Schauspieler, der jetzt seit 35 Jahren auf den Brettern steht, die zumindest für ihn die Welt bedeuten. Und: Gestern feierte er seinen 60. Geburtstag. „Das ist genau die Mitte des Alters, in dem ich Galileo verkörpere“, sagt er und lächelt verschmitzt. „Zu Beginn des Stückes ist er 45 Jahre alt, am Ende 75. Das ist schon eine echte Herausforderung.“

Die Schauspielerei war für den in Halle/Saale geborenen Kaczmarek weniger eine Berufung. Eher durch Zufall kam er dazu. „Ich habe Chemie studiert und festgestellt, dass es nicht wirklich mein Ding ist. Da habe ich einen Flyer von der Theaterhochschule in Leipzig gesehen, die Nachwuchs suchten.“ Und da hat er sich dann einfach mal beworben – mit Erfolg.

Dabei kam ihm sicher zu Gute, dass die Musik seine zweite Leidenschaft ist. „Ich kann viele Instrumente ein bisschen spielen, Gitarre richtig gut.“ Sein Vater und sein Bruder sind Musiker, sein Großvater war Kapellmeister. „Er hatte immer viele Instrumente im Schrank, die ich benutzen durfte.“

Über Chemnitz, Stralsund und Rostock kam er nach Celle – eine Familienentscheidung. Denn seine Frau, eine Ärztin an der Uni-Klinik Rostock, suchte eine interessante Anstellung außerhalb der Forschung. Das AKH in Celle bot eine solche Stelle, und er sprach Schlosstheater vor. Seit 1995 lebt die Familie in Celle.

Seine Texte lernt er zu Hause. „Ich sage sie mir erst einmal ganz langsam vor, praktisch in Zeitlupe. Dabei kann ich mir immer auch schon die entsprechende Haltung zum Text überlegen.“ Was oft zur Folge hatte, dass seine damals kleine Tochter die Monologe aus vorangegangenen Stücken des Papas noch Wochen später aufsagen kann. „Zu der Zeit habe ich schon den nächsten Text im Kopf und den alten schon längst vergessen“, so Kaczmarek.

Die Stücke, die er bisher gespielt hat, hat er nicht gezählt. „Ich bin niemand, der sich Zeitungsartikel ausschneidet und in ein Album klebt. Die schönen Erinnerungen bleiben trotzdem.“ In den 35 Jahren auf der Bühne habe er jährlich in fünf bis sechs Stücken mitgespielt. „Da kommt so einiges zusammen.“ Lampenfieber hat er keines mehr. „Das ist mehr so eine freudige Erwartung: Klappt heute Abend alles, was haben wir für ein Publikum?“

So richtig peinliche Sachen sind dem Hobby-Bergsteiger auch noch nie passiert. „Einmal bin von einem übereifrigen Techniker mit einem Rollwagen von der Bühne gezogen worden, als ich in Pose stand und mit einem Monolog beginnen wollte. Aber ansonsten hielt es sich in Grenzen – toi, toi, toi.“

Die fünf bis sechs Jahre bis zu seiner Pensionierung wird er den Zuschauern gern erhalten bleiben. „Es ist toll, dass Stadt und Landkreis Celle in den Erhalt von Schloss und Theater so viel investiert haben. Nicht jede Stadt in dieser Größe leistet sich ein Theater mit Ensemble.“