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Celle Stadt Celler Schüler reisen zur Ideen-Expo
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schüler reisen zur Ideen-Expo
17:43 16.06.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Der sprechende Roboter der Ideen-Expo fuhr mit seine Fahrrad durch die begeisterte Menge. Auf die Bitte eines Schülers in dessen Handy-Kamera zu sprechen und Facebook zu grüßen oder einen Klassenkameraden zu schlagen, ging er allerdings nicht ein. Stattdessen machte er sein eigenes Ding und erzählte Witze. Quelle: Audrey-Lynn Struck
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Ein Roboter auf einem Fahrrad fährt durch die Ideen-Expo an einer Gruppe vorbei und grüßt sie fröhlich: "Hallöchen, wie geht es euch?", fragt er in die Runde. Die Schüler lachen und fangen an, sich mit dem Roboter zu unterhalten, der tatsächlich auf jede ihrer Fragen eine Antwort hat. Er kontert jeden ihrer Kommentare und reißt einen Spruch nach dem Anderen. Einige der Umstehenden sind perplex. Die Frage, wie das funktionieren kann, ist ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben. Doch die meisten stürzen sich einfach in das Vergnügen. Dadurch entgeht ihnen, dass hinter einer Säule verborgen ein Mann steht, mit einer Fernbedienung, Headset und Mikrofon ausgestattet. Er ist es, der den Roboter zum Sprechen bringt.

Doch der sprechende Roboter ist nur eine von vielen Attraktionen auf dem Expo-Gelände. Denn im Inneren der drei Hallen erwartet den Besucher eine wahre Reizüberflutung. An einem lebensgroßen Kuhmodell wird deren künstliche Befruchtung erklärt. Ein Ultraschall-Levitator veranschaulicht, wie Wassertropfen durch Ultraschallwellen das Fliegen lernen. Man kann Ketten und Armbänder basteln oder seinen eigenen Namen auf eine Metallplatte schmieden, die später an einen großen Leuchtturm gehängt wird. Bei dieser riesigen Auswahl fällt das Entscheiden nicht leicht. „Oh man, das schaffen wir doch gar nicht alles in sechs Stunden“, beklagt sich Emma. Die Schülerin des Gymnasiums Ernestinum ist mit ihrer sechsten Klasse bei der Expo und hat ein Problem, was wohl viele der Besucher kennen. Wie soll man es schaffen, sich alle Angebote anzusehen?

Bei jedem Stand wird der Besucher direkt einbezogen und kann aktiv werden. Man kann Robotern beim tanzen zusehen, mit ihnen sprechen, sie selbst steuern oder sie in ihrer eigenen Stadt "Robo-City" besuchen, mit Autos gegeneinander Rennen fahren und Computerspiele spielen. Auch der Sport kommt nicht zu kurz. Neben dem Fußball spielen, kann man tanzen, Trampolin springen und auf E-Bikes durch die Gegend zischen. Ein ausgestopfter Eissturmvogel nebst Mageninhalt aus Plastikstücken und Draht lädt zum Nachdenken ein. In einem großen Zelt erfährt man, wie in 50 Jahren mit Hilfe einer Bloody Popcorn Maschine frisches Blut auf Knopfdruck hergestellt werden kann. An einer Cocktail-Maschine, die eine sensorisch arbeitende Industrieanlage darstellt, steht eine lange Schlange. Doch am meisten Gedränge ist vor den 3D-Brillen, die faszinierende Einblicke in die Unterwasserwelt, das Weltall oder den menschlichen Körper geben. Der Besucher lernt überall neue Dinge, spielerisch und leicht erklärt – fast wie von selbst.

Neben den vielen Ständen können auch extra Workshops von Schulklassen gebucht werden oder an Wettbewerben teilgenommen werden. Sechs Schüler des Ernestinums traten in zwei Teams auf der großen Bühne im Programmieren gegeneinander an. Die Jungen gewannen ganz knapp vor den Mädchen und bekamen eine Expo-Tasche gefüllt mit vielen Kleinigkeiten. Wenn man Mal eine Verschnaufspause braucht, kann man sich draußen auf die Treppenstufen setzen, Bratwürstchen, Glasnudeln oder Crepes essen und sich währenddessen vom Bühnenprogramm bespaßen lassen. Mit spannenden Experimenten wird man in die Welt der Wissenschaft entführt, kann sich von dem Moderator interviewen lassen oder gegeneinander im Jonglieren oder Eierlaufen antreten. Am Wochenende finden auf der Bühne Konzerte statt, wozu zahlreiche Musiker wie Cro oder die Fantastischen Vier eingeladen sind.

Dem Ernestiner Peter Fritz Cunningham gefiel ein Stand für Sehbehinderte und Blinde am besten, da sein Freund und Klassenkamerad Leon ebenfalls nahezu erblindet ist. Dort lernte Peter Fritz, wie man auf die Betroffenen Rücksicht nehmen kann, sodass sie nicht im Nachteil sind. Dann probierten die beiden begeistert Airhockey aus. "Der Puck hat gerasselt und ich habe eine Maske über die Augen bekommen, sodass Leon und ich die gleichen Chancen hatten", erzählt der 12-Jährige. Auch in vielen anderen Bereichen hat er neue Dinge gelernt. "So eine Ideenexpo ist sehr wichtig. Die eigene Sicht wird erweitert, sodass man Dinge sieht, die man vorher nicht sehen konnte."

An einem Bohrsimulator von Baker Hughes können die Besucher gegeneinander antreten. Auf einer Weltkarte sind die wichtigsten Standorte des Großkonzerns markiert, zu denen man den richtigen Button mit der dazugehörigen Stadt drücken muss.

Das Hölty-Gymnasium richtete für die Ideen-Expo eine extra Arbeitsgemeinschaft ein und entwickelte ein Modell, das die Relativitätstheorie Einsteins, dass bei einem Gegenstand in Bewegung die Zeit langsamer vergeht, verdeutlichen soll. Dazu bauten sie aus Lego zwei Modell-Wagen mit einer eingebauten Zeitmessung. Der eine Wagen bleibt stehen, während der andere 90 Zentimeter, die 900.000 Kilometern entsprechen sollen, fährt. "Wir haben das Prinzip anfangs auch nicht verstanden", erzählt AG-Mitglied Christoph Schütze. Als sie es aber begriffen hatten, wollten sie ihr neu erlangtes Wissen möglichst verständlich weitergeben.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, mit seinem Stand an dem Ideen-Expo-Wettbewerb "Ideenfang" teilzunehmen, wie es zum Beispiel das Christian-Gymnasium-Hermannsburg tut. Bewertet werden unter anderem ihre technische Umsetzung und der Umgang mit den Besuchern. An ihrem Stand steuern zwei Schülerinnen einen Roboter durch ein Labyrinth und versuchen mit dessen Greifarm einzelne Bälle aufzusammeln.