Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Schulen entscheiden über Verschiebung des Unterrichts während der WM
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Schulen entscheiden über Verschiebung des Unterrichts während der WM
15:56 22.05.2014
Von Christoph Zimmer
Wie schön wäre es, wenn man nach einem Spiel der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft etwas länger schlafen könnte oder zumindest keine Klassenarbeiten schreiben müsste. In Celle entscheiden die Schulen selbst über eine Verlegung des Unterrichts. Quelle: Steffen Kugler
Celle Stadt

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien vom 12. Juni bis zum 13. Juli macht die Zeitverschiebung den Fußballfans mal wieder das Leben schwer. In Deutschland gilt dann Sommerzeit, in Brasilien Normalzeit – das bedeutet eine Zeitverschiebung von fünf Stunden, die Deutschland den Brasilianern voraus ist. Heißt im Klartext: Viele Spiele werden erst gegen 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. Das ist vor allem für Schüler ein Problem. In Celle können sie darauf hoffen, dass sie etwas länger schlafen oder zumindest Klassenarbeiten verschoben werden können.

„Wenn die deutsche Mannschaft die Vorrunde überstehen sollte, werden wir eine vernünftige Lösung finden“, sagt etwa Johannes Habekost. Allerdings hält es der Schulleiter des Gymnasiums Ernestinum für ausgeschlossen, dass der Unterricht verschoben wird. „Bei uns hat der Unterricht absoluten Vorrang. Alles andere kann.“ Er könne sich zum Beispiel „vorstellen, dass wir das individuell und pragmatisch angehen und beispielsweise die Klassenarbeiten von den Randzeiten verschieben“. Ein verlängerter Unterricht sei mit Blick auf die privaten Termine vor allem den Schülern gegenüber „nicht gerecht, die sich gar nicht für Fußball interessieren“.

Für die Schulen in Celle bedeutet eine mögliche selbstbestimmte Verlagerung des Unterrichts einen hohen organisatorischen Aufwand – etwa beim Schülertransport oder bei Änderungen von Unterrichtsplänen. Viele der Schüler kommen aus dem Landkreis mit dem Bus zur Schule. Darauf weist neben Habekost auch die Schulleiterin des Hölty-Gymnasiums Monika Nerreter hin. „Das würde das System so durcheinanderbringen, dass es mit Fußball nicht zu rechtfertigen ist.“

Wenn, dann könne es nur Einzelfalllösungen geben, so Nerreter. Anders sehe es im Falle eines Finales mit deutscher Beteiligung aus. „Wenn wir die Möglichkeit haben Weltmeister zu werden, werden wir ganz sicher eine Möglichkeit finden“, sagt Nerreter. Die drei Vorrundenspiele der Deutschen werden um 18 Uhr beziehungsweise um 21 Uhr angepfiffen.

„Wenn es einen Konsens zwischen allen Beteiligten gibt, können wir gerne noch mal darüber reden“, sagt Heinrich von Fintel mit Blick auf ein mögliches Halbfinale und Finale mit deutscher Beteiligung. Der stellvertretende Schulleiter der BBS II weist allerdings darauf hin, dass die Berufsschule den Berufsalltag abbilden müsse – auch beim Unterrichtsbeginn um 8 Uhr. „Wenn wir den Unterricht verlegen sollten, werden die Stunden zu gegebener Zeit nachgeholt. Wir haben den Betrieben gegenüber eine hohe Verantwortung.“

Der Vorsitzende des Stadtelternrats, Heiko Carl, geht nicht davon aus, dass der Vorschlag bei allen Eltern auf viel Gegenliebe stößt. Er könne sich nicht vorstellen, dass Eltern bei den privaten Terminen ihrer Kinder nach dem Unterricht fordern, den Unterricht wegen eines Fußballspiels später beginnen zu lassen. „Das ist nur dann eine Alternative, wenn Eltern, Schüler und Lehrer damit einverstanden sind und ein breiter Konsens darüber herrscht.“

Die Schulen in Niedersachsen können aufgrund ihrer Eigenverantwortlichkeit selbst entscheiden, ob sie wegen der Weltmeisterschaft in Brasilien den Unterricht später anfangen lassen oder nicht. „Wir haben die eigenverantwortliche Schule. Ich bin mir sicher, dass die Schulen verantwortliche Lösungen erarbeiten werden“, sagt Frauke Heiligenstadt. Allerdings will die niedersächsische Kultusministerin das nicht als Vorschlag verstanden wissen, dass die Schulen während der Weltmeisterschaft später mit dem Unterricht beginnen. In jedem Fall müssten die Stunden nachgeholt und die Eltern beteiligt werden.

Christoph Zimmer