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Celle Stadt Celler Selbsthilfegruppe hilft bei Bipolarität
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Selbsthilfegruppe hilft bei Bipolarität
16:33 28.04.2016
Von Andreas Babel
Celle Stadt

Unterstützt werden kann die Behandlung durch Angehörige und Freude durch das Gespräch mit Menschen, die die gleichen Probleme haben (so zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe). Der Weltbipolar-Tag findet am 30. März, am Geburtstag von Vincent van Gogh statt, denn der berühmte Maler litt ebenfalls an dieser Krankheit.

Es gibt eine wichtige Methode, wie man besser mit der Bipolarität umgehen kann. Dieser Weg – im Fachjargon Life Charting genannt – war ein Hauptthema beim 9. Selbsthilfetag der Bipolaren im Berliner Vicantes-Klinikum. Dort wurde bei den Referaten ausgeführt, dass sich diese Methode für die Selbsterkenntnis, wo sich der Betroffene im Wechselbad zwischen Manie und Depression befindet, in den vergangenen Jahren bewährt hat. Die Erkrankten werden dabei angeleitet, die entscheidenden Ereignisse ihres Lebens darzustellen und mit einem Stimmungskalender zu arbeiten.

Anhand einiger Beispiele, verdeutlichen Patienten, welche Erfahrungen sie mit dem retrospektiven Life Chart damit gemacht haben:

Für den Arzt wichtig: „So ein Stimmungskalender soll unserem behandelnden Arzt einen besseren Einblick in uns verschaffen, wo wir gerade stehen. Es kommt doch immer wieder vor, dass in den zehn Minuten eines Arztgesprächs er getäuscht wird – absichtlich oder aus Versehen. Ich konnte den Kalender erst annehmen, als ich mir klarmachte, dass er mir hilft, wenn ich den Arzt daran teilhaben lasse.“

Stimmung eine Nummer geben: „Ich habe den Kalender eine Woche mit Elan geführt, aber dann stark nachgelassen. Es fiel mir schwer, meiner Stimmung eine Nummer zwischen 1 und 6 zu geben. Wenn ich bei einer Party war, die mir Spaß machte, habe ich mich gefragt: Bin ich schon leicht manisch? Wenn ich Bastelbedarf eingekauft haben, bin ich dann schon in einem Kaufrausch?“

So wird man ernst genommen: „Ich habe immer wieder Episoden, in denen ich keine andere Lösung sehe, als in das Krankenhaus zu gehen. Ich war zehnmal in der Psychiatrie. Für die letzten drei Aufenthalte hatte ich eine Einweisung von einem Arzt. Ich gehe jetzt nicht mehr so panisch in die Klinik und die Aufenthalte werden kürzer. Wenn ich meine Krankheit selbst reflektiere, werde ich im Therapeuten- und Arztgespräch ernst genommen.“

Frühwarnzeichen erkennbar: „Mein Psychiater sagte zu mir: Sie haben das Talent, sich selbst aus einem gewissen Abstand zu betrachten. Ich konnte nur viele Frühwarnzeichen sammeln, weil ich so oft durchgerüttelt wurde. Zuerst konnte ich nichts zuordnen, ich war meinen Stimmungen ausgeliefert. Sich in gesunden Phasen Zeit zu nehmen, über sich so viele Dinge wie möglichst aufzuschreiben, war für mich nützlich. Inzwischen kenne ich bei mir fünf unterschiedliche Phasen mit den dazugehörigen Frühwarnzeichen.“

Es kommt darauf an, dass jeder Erkrankte in Eigenverantwortung mit seiner Krankheit umgehen muss. Der Austausch mit Menschen in einer Selbsthilfegruppe, wie sie Klaus Effinghausen hier in Celle anbietet, kann dazu wichtige Hilfe geben. Er ist schon länger in der Gesellschaft für bipolare Störungen überregional tätig und nimmt regelmäßig an Seminaren und Fachtagungen teil.

Er ist nach und nach zu einem einfühlsamen Begleiter biopolarer Erkrankter geworden. Seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit dieser Krankheit haben ihn dazu befähigt: „Mein ganzes Leben bestand fast nur aus seelischen Schwierigkeiten, bis ich 1980 die Diagnose ,bipolare Störung‘ erhielt. 1968 war ich ohne Wissen manisch mit einem anschließenden Klinikaufenthalt. Seit diesem ,Höhenflug‘ habe ich mich durch Medikamente und Therapie besser im Griff“, sagt Effinghausen. Ganz wichtig für seine psychische Stabilität ist die Akzeptanz seiner Krankheit. Seine langjährigen Aktivitäten in Sachen Bipolarität „fördern meine gesundheitliche Balance“. Außerdem hilft ihm die Tätigkeit als Leiter einer Selbsthilfegruppe.

Die „Bipolarität“-Selbsthilfegruppe trifft sich in Celle zweimal monatlich (jeden zweiten und vierten Dienstag) um 18.30 Uhr an der Blumlage 64 – in der „Alten Molkerei“. Neue sind auch ohne Anmeldung willkommen. Weitere Infos gibt es unter (05141) 487249 (KIBIS). www.kibis-celle.de oder direkt bei Klaus Effinghausen unter (05141) 901210.