Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Soldaten 2011 nach Afghanistan
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Soldaten 2011 nach Afghanistan
18:38 27.08.2010
Rouven K, Peter G. und Kevin B gehen kommenden Jahr nach Afghanistan Quelle: Tore Harmening
Celle

4822 Kilometer und 385 Meter Luftlinie sind es von Celle bis nach Kundus in Afghanistan. Der Einsatz der Bundeswehr scheint weit weg und ist doch näher als viele denken. Im kommenden Jahr geht eine ganze Einheit aus der Region in den Norden des unruhigen Landes. Die Panzerlehrbrigade 9 aus Munster wird im Juni 2011 dorthin verlegt. Viele der Soldaten kommen aus dem Landkreis Celle.

Einer von ihnen wird Peter G. sein. Aus Sicherheitsgründen werden die vollen Namen nicht genannt, denn die Sicherheitslage ist eine andere, als sie es vor zwei Jahren war. Zusammen mit 80 Soldaten seiner Einheit wird er die Aufklärung rund um das Lager Kundus übernehmen. Ein gefährlicher Auftrag, denn die Bundeswehr ist dort immer wieder Ziel von Anschlägen und Hinterhalten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. „Aus den Erfahrungen der Kameraden wissen wir, dass der Drill hilft, in solchen Situationen richtig zu reagieren“, sagt Peter G. Immer wieder werden die Szenarien durchgespielt, immer wieder die Reaktionen darauf geübt, bis jeder quasi im Schlaf weiß, was passieren muss.

Die militärischen Operationen sind das eine, genauso wichtig ist die mentale Vorbereitung der Soldaten und ihrer Familien. Peter G. ist Spieß seiner Einheit. Die Mutter der Kompanie nennen die Soldaten diese Position auch. Er sieht zu, dass die Soldaten keine Probleme mit in den Einsatz nehmen und sich auch danach nicht einigeln, wenn sie Schlimmes erlebt haben. Erfahrungen hat er bereits im Kosovo gesammelt. „Wir versuchen die Familien jetzt schon einzubinden. Im Camp achten wir dann darauf, dass nicht jeder in seinem Container verschwindet“, sagt der Spieß. Reden kann man über die Erlebnisse am besten mit denen, die dabei gewesen sind. Andere können das nur schwer nachvollziehen, sagt Peter G.

Für die Familien ist der Einsatz auch jedes Mal eine große Belastung. Das können auch Kevin B. (37) und Rouven K. (32) bestätigen. Sie werden ihren Dienst in Masar-i-Scharif im Nachschub und Personalbereich versehen. Aus Sicht von Rouven K. „nicht so ein Hotspot wie Kundus und im Lager ist man schon sehr sicher.“ Aber es bleibt ein gefährlicher Einsatz.

Rouvens achtjähriger Sohn versteht das auch langsam und stellt seinem Vater inzwischen gezieltere Fragen. „Ich werde wohl dieses Mal mit ihm darüber sprechen“, sagt er. Auch Kevin B. hat zwei Kinder. Für sie ist vor allem schlimm, dass der Vater sechs Monate nicht da ist. „Wenn die Tochter am Telefon anfängt zu weinen, dann blutet einem auch das Herz“, sagt er.

Angst haben Kevin B. und Rouven K. nicht. Bei Peter G. ist es etwas anderes. Er wird mit seiner Einheit im gefährlichen Gebiet operieren. Wer behaupten würde, er hätte keine Angst, würde wohl lügen. Dagegen hilft das ständige Training, die Sicherheit gut vorbereitet zu sein. Sechs Monate werden sie dort Dienst tun, von Juni bis Januar.

Auf einmal ist der Krieg in Afghanistan in Celle ganz nah.

Von Tore Harmening