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Celle Stadt Celler Sommer auf Rekordkurs
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Sommer auf Rekordkurs
17:55 05.09.2013
An solch warmen Tagen ist der Bikini eine gute Wahl: Diese hübschen jungen Frauen stellten - sich am 18. August bei der Wietzer „Streetnight“ einer Jury bei der „Miss Jafra“-Wahl. Quelle: Alex Sorokin
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Nach dem tollen Hochsommer bekommt der Spätsommer kurzfristig einen Dämpfer. Schuld an dem nahenden Wetterumschwung ist eine schwache Tiefdruckrinne über Westeuropa. Sie kommt mit einem eingelagerten gewittrigen Tiefausläufer derzeit nur sehr langsam gegen das Spätsommerhoch „Hannah“ über Skandinavien ostwärts voran. Schauer und Gewitter werden die Südheide vielleicht schon Samstagabend erreichten, sonst im Laufe des Sonntags. Davor herrscht bei 25 bis 27 Grad vor allem am Samstag noch schönes Freizeitwetter. Hinter der Gewitterstörung strömt zum Wochenanfang aus Westen kühlere Luft ein. Bei einem Mix aus Sonne, Wolken und einzelnen Schauern gehen die Temperaturen von maximal 23 Grad am Montag auf rund 20 Grad zur Wochenmitte zurück. Ob sich der Spätsommer danach schon wieder aufbäumt, wie es einige Wettermodelle nahe legen, bleibt abzuwarten.

Nach den weiterführenden Wettertrends wird der September auch über die Monatsmitte hinaus wohl eher auf der warmen Seite bleiben. Dafür soll das Azorenhoch sorgen, das sich mit milden Südwestwinden immer wieder nach Mitteleuropa ausweitet. In diesem Fall wäre schon ein erster vorsichtiger Blick auf den Winter möglich. Heißt es doch im Volksmund in oft richtiger Weise: „Ist der September lind, wird der Winter ein Kind“. Und auf einen goldenen Herbst können wir uns auch freuen: „September schön in den ersten Tagen, will den ganzen Herbst ansagen.“

Um es mit den Worten des Dichters Rainer Maria Rilke (1875 bis 1927) zu sagen: „Der Sommer war sehr groß.“ Groß wurde er vor allem durch den Juli und den August mit beständigen Hochdrucklagen über weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas. Diese machten ihn – gemessen am Klimamittel 1961 bis 1990 – außergewöhnlich trocken und sonnig. Lediglich im Juni konnten die kühlen und Regen bringenden Westwinde größeren Einfluss nehmen.

Besonders der Juli wird den Norddeutschen durch sein wolkenarmes und oft mediterran anmutendes Ferienwetter, seine gemäßigte Wärme und geringe Schwüle in bester Erinnerung bleiben. Aber auch der August konnte mit ungewöhnlich hohen Temperaturen, viel Sonnenschein und, abgesehen von lokal unwetterartigen Gewitterniederschlägen (Celle am 19. August 46 Liter pro Quadratmeter in zwei Stunden), über weite Strecken punkten.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ des Sommers waren drei nordafrikanische Hitzewellen mit teilweise deutlich über 30 Grad: Eine erste kürzere am Ende des zweiten Junidrittels, eine längere im letzten Julidrittel sowie eine massive Hitzespitze mit Werten um 36 Grad in den ersten Augusttagen.

Im nordöstlichen Niedersachsen war der meteorologische Sommer 2013 mit Niederschlagssummen von nur 100 bis 130 Liter pro Quadratmeter (Kreis Celle) verbreitet der dritttrockenste der Nachkriegszeit. Noch weniger Niederschlag hatte nur der legendäre Dürresommer 1959 und gebietsweise der Sommer 1983. In einem Streifen vom Nordkreis Celle bis ins Wendland war dieser Sommer nach 1959 sogar der zweittrockenste. Wie üblich in der warmen Jahreszeit fielen die Niederschläge überwiegend schauerartig und damit eng begrenzt, sodass die anhaltende Trockenheit bestenfalls regional gelindert werden konnte.

Nur eine Randnotiz: Mit fast 1020 Hektopascal verzeichnete der Juli in der Südheide den höchsten jemals beobachteten durchschnittlichen Luftdruck des Hauptferienmonats. Zudem brachte es der Sommer insgesamt auf nur acht bis elf so genannte „trübe Tage“ (weniger als 2,5 Sonnenstunden), was ihn zu einem der freundlichsten jemals machte.

Von Reinhard Zakrzewski