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Celle Stadt Celler Sorgen werden gehört: „Notfallplan Wolf“ in Arbeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Sorgen werden gehört: „Notfallplan Wolf“ in Arbeit
14:20 11.07.2018
Von Michael Ende
Celle Stadt

Sie fordert, dass die Stadt einen "Notfallplan Wolf" entwickelt, der dann greifen soll, wenn Mensch und Wolf einander in die Quere kommen. Die Verwaltung lehnt dies ab. Auch ohne ein spezielles Celler Alarm-Szenario könnten vielleicht in Zukunft unliebsame Begegnungen zwischen Wolf und Mensch mit einem Schuss enden. Denn das Land bereite Möglichkeiten der „Entnahme“ von auffälligen Wölfen vor, heißt es aus dem Rathaus.

Wolfssichtungen hätten seit geraumer Zeit Jäger und Spaziergänger vermehrt im Norden Groß Hehlens gemeldet, so Ortsbürgermeister Axel Fuchs (CDU). Sein Klein Hehlener Amtskollege Klaus Didschies (CDU) berichtet von drei Wölfen, die am Nachmittag auf dem Hollenkamp, der Verbindung zwischen Klein Hehlen und Boye in unmittelbarer Nähe der Neubausiedlung "Kieferngrund", gesehen worden seien. Er habe einen Wolf auf der Straße "Am Schießstand" etwa 150 Meter vom Schießstand entfernt gesehen, berichtet Boyes Ortsbürgermeister Heiko Gevers (CDU). Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Celle hat beantragt, die Verwaltung solle mit dem Land Niedersachsen konkrete Pläne erarbeiten, "mit deren Maßnahmen Wölfe aus der unmittelbaren Nähe zu Siedlungen vergrämt werden können."

"Beunruhigt": Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) schaltete sich umgehend ein und wandte sich direkt an Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). Es sei nachvollziehbar, dass die Bevölkerung angesichts von Wolfs-Sichtungen im Stadtgebiet "zunehmend beunruhigt" sei, so Nigge: "Wolfsbegegnungen werden schon in ländlich geprägten Kommunen als bedrohlich wahrgenommen – erst recht im städtischen Kontext." Nigge bitte das Umweltministerium um eine "fachliche Gefährdungseinschätzung": "Mein Ziel ist es, die städtische Bevölkerung vor möglichen Gefahren zu schützen, aber auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit der sich ausbreitenden Wolfspopulation zu sensibilisieren."

"Safety first": Genau dieses Ziel verfolge er auch, schreibt Lies in seiner Antwort an Nigge. Der Minister kündigt "Verbesserungen des Wolfsmanagements" an, die "entschlossenes" Handeln ermöglichten, wenn es riskante Begegnungen zwischen Wölfen und Menschen geben sollte: "Die Sicherheit des Menschen hat oberste Priorität. Wölfe, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten, sind zu beobachten und gegebenenfalls zu entnehmen. Was im Klartext heißt, dass im Einzelfall auch eine Tötung des Tieres in Erwägung zu ziehen ist." Allerdings gelte auch, so Lies: "Wenn ein Wolf in Sichtweite von Ortschaften gesehen wird, kann dies allein noch kein Grund zur Entnahme des Tieres sein."

Wolfsattacke in Polen: Der freien Wildbahn "entnommen" hat man in Polen einen Wolf, der Ende Juni in einem Dorf Menschen gebissen hatte. Das Tier war weder tollwütig noch ein Mischling. Es hatte ein achtjähriges Mädchen und einen zehn Jahre alten Jungen verletzt, die beide im Freien spielten. Ein Jäger erlegte den Wolf im Auftrag der Behörden.

"Abschuss ermöglichen": Das müsse auch in Deutschland möglich sein, fordert der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte, der auch Vorsitzender des Gesprächskreises Jagd, Fischerei und Natur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist: „Wir haben die Sorgen der lokalen Bevölkerung im Auge. Daher fordern wir die EU-Kommission auf, den Erhaltungszustand der Wolfspopulation zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können." Bund und Länder müssten einen Kriterienkatalog zur Entnahme problematischer Wölfe entwickeln, so Otte: "Wir müssen sicherstellen, dass die hohe Anzahl der Wölfe durch Abschuss reduziert werden kann.“

Der "Notfallplan", den die Celler CDU für das Stadtgebiet gefordert hat, wird derzeit auf höherer Ebene ausgearbeitet. Deshalb, so die Verwaltung, sei "weder ein Bedarf noch die realistische Möglichkeit erkennbar, abweichende Konzepte zu entwickeln". Ratsherr Klaus Didschies ist zuversichtlich: "Wir müssen lernen, wie wir mit dem Wolf umgehen. Eltern müssen wissen, was sie ihren Kinder für den Fall raten sollen, dass sie einem Wolf begegnen." Didschies selbst sei "weder für noch gegen den Wolf": "Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt."