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Celle Stadt Celler Stadtfest: Rock-Symphonie erlebt Uraufführung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Stadtfest: Rock-Symphonie erlebt Uraufführung
17:29 13.09.2017
Von Jürgen Poestges
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Uli Wissmann ist nervös. „Wenn ich eigene Kompositionen spiele, dann bin ich immer aufgeregt. Meine Musik ist eher ungewöhnlich für das Celler Stadtfest. Es wäre schön, wenn sich die Leute darauf einlassen würden.“

„Wir wollen einem Celler Musiker und Komponisten die Möglichkeit bieten, seine Musik zu präsentieren“, sagt Wolfgang Reichert von Organisations-Team des Stadtfestes. „Und wir glauben, dass es für das Fest eine Bereicherung ist.“

Wissmann hat in zweijähriger Arbeit das rund einstündige Epos erarbeitet. „Im Jahr 2015 hatte ich eine Operation und war danach lange zu Hause. Damals habe ich ein wenig über das Leben nachgedacht. Und da kam mir dann auch die Idee, eine Symphonie zu schreiben.“ Eingespielt hat er das Werk dann im Studio von Michael Dornbusch in Wienhausen. „Ich habe alle Instrumente gespielt, praktisch in Mike-Oldfield-Manier. Einziger Gastmusiker ist Jörg Roßman am Schlagzeug“, erzählt Wissmann.

Entstanden ist ein Werk aus fünf Teilen entsprechend der Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuer, hinzu kommt ein fünftes Element, das Leben. „Der Erzähler macht sich Gedanken über sein eigenes Leben und seine Sterblichkeit, was dann auf den Erdball projiziert wird“, erklärt Wissmann. Was so kompliziert klingt, ist umgesetzt ein wunderschönes Stück Musik. Es geht mal ruhiger zu mit Pink-Floyd-ählichen Klängen, zum Beispiel bei „Contemplation“, Teil drei des Elements „Erde“. Mal bricht auch Wissmanns Leidenschaft zum Jazz durch. Aber immer geht es melodisch zu, oft werden Themen aus vorangegangenen Stücken wieder aufgenommen, leicht verändert. Zuhören lohnt sich auf jeden Fall.

Der erste Teil „Air“ beinhaltet eine Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs gleichnamiger Komposition. Im bodenständigeren „Earth“ wird es deutlich rockiger. „Water“ enthält Teile, die musikalisch an fließendes Wasser oder Regen erinnern. Hier verwendet Wissmann lateinische Bibeltexte, deren Vortrag an gregorianische Gesänge erinnert. „Fire“ eröffnet mit dem feurigen Instrumentalstück „Into the Fire“. Auch im Finale des Werkes, „Life“, werden

Kompositionsprinzipien der E-Musik erkennbar: Das Stück, das sich mit dem ewigen Leben(„eternal life“) in spiritueller Hinsicht beschäftigt, besteht aus allen zwölf Dur-Dreiklängen, die hier den gleichen Abstand zueinander haben. Dieser Zyklus kehrt immer wieder und hat keinen Anfang oder Ende. So heißt der Schlussteil auch „Perpetuum mobile/eternal life“.

Das unendliche Perpetuum mobile steht hier für die Hoffnung auf eine Konstanz des Lebens, ein ewiges Leben (eternal life).

„Es gibt beim Komponieren einer Symphonie bestimmte Grundsätze. Das habe ich beachtet. Allerdings sind es nicht einzelne Sätze, sondern ein Teil geht in den anderen über.“ Eigens für die Uraufführung in Celle hat Wissmann eine Band zusammengestellt. Drei Musiker aus Hamburg und Sängerin Claudia Doliwa aus Dalle unterstützen ihn auf der Bühne. Mehrere Proben haben die Fünf absolviert. „Dabei ist man als Komponist immer ein wenig kritischer als normalerweise. Es gibt sicherlich Raum für Improvisationen, aber ich will die richtigen Töne am richtigen Platz haben“, sagt Wissmann mit einem Schmunzeln. „Bei einem falschen Basston zucke ich schon mal zusammen.“ Es seien alles Musiker, die normalerweise vom Blatt abspielen könnten. „Aber wir haben bei der ersten Probe schon gemerkt, dass das nicht funktioniert bei diesem Stück.“

Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch den Landschaftsverband Lüneburg und die Niedersächsische Sparkassenstiftung. „Ohne diese Förderung würde es das Konzert überhaupt nicht geben“, freut sich Wissmann.