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Celle Stadt Celler Stadtrat soll Rommel-Straße kippen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Stadtrat soll Rommel-Straße kippen
08:31 23.03.2015
Von Michael Ende
    Straßenschilder Rommelstraße und Stülpnagelstraße Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

„Die Entscheidung des Ortsrates Klein Hehlen, die Rommelstraße und die Stülpnagelstraße nicht umzubenennen, fügt der Stadt schweren Schaden zu. Ich bin entsetzt, dass dies so möglich war", sagt Dirk-Ulrich Mende (SPD). Als Oberbürgermeister sei er aufgerufen, Schaden von der Stadt abzuwenden: "In diesem Sinne habe ich umfangreiche Prüfungen im Rechtsamt veranlasst, mit dem Ziel, die Entscheidung des Ortsrates durch eine Ratsentscheidung aufzuheben. Ich bin mir sicher, dass es nach den hier im Rat bereits vorgenommenen Veränderungen von Straßennamen dafür eine Mehrheit geben wird."

Erschüttert habe ihn, dass die Mehrheit der Ortsratsmitglieder nicht bedacht hätte, welches Signal sie mit ihrer Entscheidung aussendeten, so Mende. Besonders von Klaus Didschies (CDU) sei er enttäuscht: "Gerade der Ortsbürgermeister als Ehrenbeamter ist einer besonderen Verantwortung unterworfen und hätte sich auch mit mir abstimmen müssen, wenn zu befürchten war, dass eine solch schädliche Entscheidung denkbar sein könnte." Das sei leider nicht geschehen: "Nun haben wir diesen erheblichen Schaden für die Stadt – verursacht durch einen Ortsrat."

Seit seinem Dienstantritt werde er nicht müde, Celle nach außen als das darzustellen, was es sei, so Mende: eine "offene, zukunftsgewandte Stadt". Mit dem anonymen Bewerbungsverfahren, mit der Hinwendung zu einer "Willkommensbehörde" und dem Projekt „Interkulturelle Kompetenz“ setze die Stadt Zeichen, die bundesweit wahrgenommen würden: "Ich betone das hier so ausdrücklich, weil ich noch zu Beginn meiner Amtszeit und auch danach immer wieder auf alte Vorurteile Celle gegenüber angesprochen worden bin. Vorurteile gegenüber einem braunen Celle, die es zu widerlegen galt und gilt."

Die Entscheidung des Ortsrates werde leider dazu führen, diese alten Vorurteile aufleben zu lassen, so Mende: "Sie darf nicht der gesamten Stadt angelastet werden. Nein, wir werden versuchen, den jetzt eingetretenen erheblichen Image-Schaden von der Stadt abzuwenden."

Während die Stadtratsfraktionsvorsitzenden Heiko Gevers (CDU) und Udo Hörstmann (Unabhängige) den mit den Stimmen ihrer Klein Hehlener Ortsrats-Kollegen gefällten Beschluss nicht weiter kommentieren wollen, sagt WG-Fraktionsvorsitzender Torsten Schoeps, dass der Ortsrat Klein Hehlen seine "Chance vertan" habe, "diese beiden Fehlentscheidungen bei den seinerzeitigen Benennungen nun zukunftsweisend zu korrigieren."

"Wir halten diese Entscheidung des Ortsrates für falsch", sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen: "Sie ignoriert sachverständige Empfehlungen, geschichtliche Wahrheiten und wird der Stadt Celle schaden. Die Verantwortlichen im Ortsrat werden die politische Verantwortung zu tragen haben." SPD-Fraktionschef Jürgen Rentsch hatte schon vor Jahren die Umbenennung der Straßen gefordert: "Es ist ein Skandal, was jetzt der Ortsrat beschlossen hat."

Grünen-Fraktionschef Bernd Zobel zeigt sich betroffen: "Es ist beschämend, welches Bild die Mehrheit des Ortsrates um Ortsbürgermeister Didschies mit ihrem Votum abgibt. Kriegsverbrechen von Rommel und Stülpnagel werden im Jahr 2015 in Klein Hehlen relativiert und bagatellisiert, renommierte Historiker durch Ignoranz und Stammtischgerede lächerlich gemacht." Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung Bergen-Belsens sei diese "Reinwaschung von Nazi-Generälen eine Verhöhnung der Hinterbliebenen der Opfer".

"Dass sich Rommel und Stülpnagel in unterschiedlicher Weise 1944 in Opposition zu Hitler befanden, kann die Kriegsverbrechen nicht aufwiegen, die sie begangen haben", so Linken-Fraktionsvorsitzender Oliver Müller: "Da es sich nicht um eine einmütige Entscheidung des Ortsrats handelt, lässt sich aus unserer Sicht rechtfertigen, dass der Rat sich mit dem Thema befasst und vielleicht zu einer anderen Entscheidung kommt."