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Celle Stadt Celler Urgestein sagt nach 50 Jahren Tschüss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Urgestein sagt nach 50 Jahren Tschüss
18:44 05.04.2016
Immer alles ganz genau im Blick: Nach 50 Jahren im Job verabschiedet sich Erich Helms, Lagerist bei der AGRAVIS, in den Ruhestand. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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„So etwas ist wirklich selten“, staunt auch Horst Feldmann, Niederlassungsleiter bei der Agravis Technik Heide-Altmark GmbH am Standort Celle. Helms hat immer alles ganz genau genommen. Jedes Schräubchen musste beim Sohn eines Landwirtes aus Wietzenbruch an der richtigen Stelle sein. Das, und die werbenden Worte eines Altgesellen aus der Nachbarschaft, brachten den jungen Mann am 1. April 1966 in die Lehre zum Landtechnikmechaniker. An seine erste Montage erinnert er sich noch gut: „Da hatte sich bei einem Hanomag die Hinterachse abgedreht“, erzählt Helms.

Vom Stadt-Zentrum am Nordwall über Westercelle, Garßen und Altenhagen bis zum heutigen Standort an der Lüneburger Heerstraße 77 erlebte Helms alle Umzüge seines Arbeitgebers mit. Anfangs waren es sieben Mitarbeiter, davon drei Lehrlinge. Heute beschäftigt Agravis in Celle 16 Leute, ebenfalls drei davon in Ausbildung. „Fast alle haben Berührungspunkte zur Landwirtschaft“, erklärt Feldmann. „Sonst macht man diesen Beruf auch nicht so lange. Man muss schon dafür brennen, denn der Service ist bei uns wichtig – egal zu welcher Tageszeit. Wenn Ernte ist, müssen die Maschinen laufen.“

Bis 1990 war Helms als Landmaschinen-Mechaniker ganz nah dran an Kunden und Technik. Wenn etwas nicht stimmte, musste er es finden – dem Kunden zuliebe, aber auch, weil es ihn nicht mehr losließ. Helms machte in den Jahrzehnten auch die Veränderungen auf dem Markt mit. Zum Beispiel: Die Maschinen werden immer größer. „Trecker über 50 PS hatten wir früher kaum.“ Die rasant zunehmende Digitalisierung bei der Landtechnik kam Helms dabei entgegen. Denn er nahm es nicht nur bei Schrauben, sondern auch bei Zahlen und Programmen ganz genau. Als er 1990 ins Ersatzteillager wechselte, hatte er bereits das eine oder andere einfachere Programm selbst geschrieben. „Wenn ich heute einen Beruf suchen würde, dann hätte er nicht mehr mit Maschinen, sondern mit Computern zu tun“, erklärt Helms. Eine Windows-Schulung? Hat er nie gebraucht.

Seine jahrzehntelange Erfahrung als Mechaniker war im Lager von unschätzbarem Vorteil. Wenn einer wusste, welches Teil für welche Reparatur benötigt wird, dann war das Helms. „Das Kaufmännische kann man leichter lernen als die Technik", findet er. Dieses umfassende technische Wissen kommt beim Kunden gut an. Aber Helms gibt auch zu: „Die Maschinen sind inzwischen so komplex, da muss mir dann beim Aussuchen der Ersatzteile jemand aus der Werkstatt helfen.“

Helms-Nachfolger Henning Wegener wird in große Fußstapfen treten: „Mit einigen Kunden hatte ich schon am ersten Tag als Lehrling zu tun. Die fragen, wenn sie reinkommen, sofort: Wo ist der Erich?“, erzählt Helms.

Von Dagny Rößler