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Celle Stadt Celler Wahlkämpfer mit grünem Gewissen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Wahlkämpfer mit grünem Gewissen
17:15 04.10.2017
Von Dagny Siebke
Anderthalb Paletten Wahlplakate werden auf dem städtischen Betriebshof gelagert. Offen ist noch, wie lange sie dort bleiben können. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Anders als herkömmliche Plakate bestehen sie nicht aus Papier, sondern aus dem Kunststoff Polypropylen und sind somit wasserfest. Hohlkammerplakate müssen nicht mühsam von den Ehrenamtlichen auf Hartfaserplatten gekleistert werden. Sie sind durch ihre Struktur stabil genug und werden mit Kabelbindern an Laternen angebracht.

Im Recyclingbetrieb will Ascon die Hohlkammerplakate schreddern, mahlen und säubern. Dieses Mahlgut aus Polypropylen wird dann wieder zur Herstellung von neuen Wahlplakaten, Büromaterialien oder im Fahrzeugbau eingesetzt.

Bisher sind in Celle anderthalb Paletten zusammengekommen, die 1,50 Meter hoch sind. Abteilungsleiter Andreas Henn von Ascon sagt, dass man sich eine höhere Beteiligung erhofft habe. „Vielleicht braucht es noch ein, zwei Wahlen, bis sich das Vorgehen eingependelt hat.“ Es dauere lange, alle Ehrenamtlichen auf die Sammel-Aktion aufmerksam zu machen.

Die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann (SPD) findet die Idee toll, dass der sortenreine Kunststoff nicht in den gelben Sack kommt und verbrannt wird. Sie habe Ascon geholfen, einen geschützten Platz für die gesammelten Plakate und weitere Unterstützer zu finden. Doch vier Wochen am Stück könne man den Müll nicht auf dem städtischen Betriebshof liegen lassen. „Dennoch versuchen wir eine entsprechende Lösung auch für den Landtagswahlkampf zu vereinbaren“, so Lühmann.

Christopher Fedder, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes, sagt: „Das ist eine gute Aktion. Schön, dass hier parteiübergreifend zusammengearbeitet wurde. Eine Ausweitung dieser Aktion zur Landtagswahl würden wir befürworten.“

Im Landkreis Celle haben CDU, SPD, FDP, AfD und Freie Wähler je rund 1000 Plakate zu Bundestags- und Landtagswahl aufgehängt. Bei den Grünen waren es „nur“ 200 pro Wahl. „Wir treten hier für eine freiwillige Selbstbeschränkung der plakatierenden Parteien ein“, betont Bernd Zobel für die Grünen. „Unsere Vordermann-Plakate sind umweltfreundlich und wetterfest. Sie bestehen zu 90 Prozent aus Altpapier und sind leicht über die Altpapiersammlung zu entsorgen.

„Das Angebot der Firma Ascon war uns nicht bekannt“, sagt der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg Bode. „Wenn es über die Landtagswahl verlängert würde, wäre es sehr interessant. Teilweise werden die Hohlkammerplakate zur Bundestagswahl auch noch weiter genutzt und durch Störer-Aufkleber versehen. Daher werden wir die Entsorgung der Plakate insgesamt nach der Landtagswahl durchführen.“ Auch die Freien Wähler würden sich gerne beteiligen.

Die AfD hat nichts von der Aktion mitbekommen. „Grundsätzliche ist das eine gute Sache“, so Jens-Christoph Brockmann. Bei positiven Erfahrungen, könnte man sich vorstellen, beim Landtagswahlkampf mitzumachen. Bisher läuft es bei der AfD so: „Die wenigen Hohlkammerplakate, welche hängen geblieben sind, werden gesammelt und wiederverwendet oder beim Wertstoffhof entsorgt.“

Obwohl die Landtagswahl bald bevorsteht, schmücken immer noch einige Plakate von Kirsten Lühmann und Henning Otte das Straßenbild. „Es hängen noch vereinzelt Plakate“, Christopher Fedder vom CDU-Kreisverband zu. Eigentlich sei es so geplant gewesen, dass die Henning-Otte-Plakate mit Thomas-Adasch-Plakaten ausgetauscht werden. Fedder erzählt, dass sich in Westercelle an der Hannoverschen Heerstraße jemand den Spaß erlaubt habe, noch einmal Adasch- und Otte-Plakate auszutauschen.

Da die Linken keine Personen-Plakate aufgehängt haben, konnten sie ihre Hohlkammerplakate gleich hängen lassen. „Unsere Themen passen sowohl zur Bundes- als auch zur Landtagswahl“, betont Hans-Peter Binder vom Kreisverband. Die Linken werden ihre 240 Plakate zu einem Recyclinghof in der Region bringen. „Es gibt noch andere umweltfreundliche Möglichkeiten“, so Binder.