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Celle Stadt Celler Waldfriedhof: Am Ende wie in Gottes Arche ruhen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Waldfriedhof: Am Ende wie in Gottes Arche ruhen
15:39 11.11.2014
Celler Waldfriedhof Quelle: Martina Hancke
Celle Stadt

Die letzten Strahlen der Spätsommersonne fallen durch die Bäume. Vögel zwitschern, es duftet nach Wald, die Natur atmet Ruhe. Beim Spaziergang zwischen Kiefern und Findlingen, vorbei am Bauerngarten vergisst der Besucher fast, dass er sich auf einem Friedhof befindet.

Es lohnt sich, etwas Zeit mitzubringen, um Celles größte Friedhofsanlage zu erkunden. 1930 parkähnlich angelegt ist der Waldfriedhof am Neustädter Holz mit seinen gut 24 Hektar heute ein Beispiel für moderne Bestattungskultur.

„Wir versuchen, dem Wandel im Bestattungswesen nachzukommen“, sagt Harry Sinkel, Friedhofsverwalter im Fachdienst Friedhöfe der Stadt Celle. Der Trend geht seit Jahren zur Feuerbestattung mit anonymer Urnenbeisetzung (siehe Interview). Doch statt steriler Rasenflächen entstanden auf dem Waldfriedhof völlig neuartige Stätten der letzten Ruhe.

Eine davon ist der „Bauerngarten“, angelegt mit Wegekreuz, Buchshecken und berankten Pergolen. Versteckt zwischen Pfingstrosen und Rittersporn, Rosmarin und Thymian liegen die Grabsteine. Eine Art Garten Eden. Gleich daneben liegt „Ribbecks Garten“, eine Streuobstwiese mit verschiedenen Obstsorten. Bis zu sechs Urnen finden unter den Birn-, Apfel- oder Kirschbäumen Platz.

Für Naturliebhaber ist der „naturnahe Garten“ mit Heide gedacht. Anstelle von Grabplatten markieren hier Findlinge die Gräber.

Seit 2012 gibt es auf dem Waldfriedhof Celles einziges Kolumbarium. Das mauerähnliche Gebäude bietet 68 Familien die Möglichkeit, die Asche ihrer Verstorbenen oberirdisch in versiegelten Wandnischen einzustellen. „Wir nennen es unseren Bienenstock am Bauerngarten“, sagt Harry Sinkel. Alle Ideen wurden von den Verwaltern und Friedhofsgärtnern selbst entwickelt und umgesetzt. Die Planung obliegt Fachdienstleiter Axel Rieger. Unter seiner Federführung entwickelte sich im vergangenen Jahr das Projekt „Arche“: Helle Granitstelen deuten einen Schiffsrumpf an, zu dem symbolisch eine Steganlage führt. Im Inneren fühlen sich die Trauernden wie in einem Schutzraum, der ihnen die Möglichkeit zur Besinnung und Kommunikation bietet. Um die „Arche“ herum breitet sich das Gelände – für Urnen- und Erdbestattungen – wellenförmig aus, bepflanzt mit Stauden in blau-weißen Tönen.

Für die Pflege der halbanonymen Gräber sorgen die städtischen Friedhofsgärtner. Die Kosten hierfür werden zusammen mit der Gebühr für die Grabstätte erhoben. Ein einfaches Urnenwahlgrab mit einer 20-jährigen Laufzeit kostet zurzeit 840 Euro, 116 Euro entfallen auf die Beisetzung. Für die Grabpflege über diesen Zeitraum werden z.B. in der „Arche“ einmalig 971 Euro berechnet (mit Stand 2014).

Die Nachfrage nach den neuen Bestattungsformen ist groß. „Immer häufiger lassen sich Bürger im Vorfeld beraten und erwerben eine Grabstätte im Voraus, um mit Sicherheit zu wissen, wohin sie einmal kommen werden“, so Sinkel. Für Interessierte bietet die Friedhofsverwaltung einmal jährlich eine Begehung des Waldfriedhofs an unter dem Motto „Bestattungskultur im Wandel der Zeit“.

Von Martina Hancke