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Celle Stadt Celler Weihnachtszirkus: Robby liebt Minimalismus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Weihnachtszirkus: Robby liebt Minimalismus
18:28 13.12.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Dagny Siebke
Celle Stadt

Vor allem Rottöne brachte er gern zu Papier. Die Expertin für Primaten verkauft schon Postkarten und einen Kalender von Robbys Bildern, plant sogar eine Ausstellung. Normalerweise verlor Deutschlands letzter Menschenaffe im Zirkus erst nach 15 Minuten die Lust am Malen.

Doch vor der Kamera stürzt sich Robby zuerst auf die wenigen verbliebenen Haare von Ziehvater Klaus Köhler statt auf den Pinsel. Die muss er sich erst einmal genauer ansehen. Der Zirkuschef versucht den Schimpansen zu motivieren und hält ihm die Farbpalette direkt unter die Nase. Robby taucht den Pinsel in etwas grüne Farbe und setzt an. Zwei Sekunden liegt höchste Konzentration in der Luft, doch dann schweift der Blick des Affen wieder ab. Köhler redet dem Schimpansen weiter gut zu. Doch heute ist mit Robby nicht viel anzufangen, das Treiben zwischen den Zelten ist interessanter, als die Abwechslung im Bauwagen. Am Ende sitzt der Zirkusdirektor alleine da und muss heute mit Robbys minimalistischem Werk leben.

Denn der Schimpanse legt den Pinsel nach zwei Strichen zur Seite und tobt lieber mit Labradoodle Ted herum. Klaus Köhler seufzt und sagt: „Robby verhält sich wie ein Kind. Heute so und morgen so.“ Doch von einer Sache kann er nicht genug haben: „Robbys liebste Beschäftigung ist es, mit mir und dem Hund herumzukalbern.“

Labradoodle Ted verbringt die meiste Zeit beim Schimpansen im Bauwagen, dann jagen die beiden im Stroh umher. „Manchmal klemmt sich Robby den Hund unter den Arm, klettert hoch in sein Schlafnest und kuschelt mit ihm.“

Aus der Zeichenstunde wird heute nichts. Robby greift zu seinem Stofftaschentuch und wischt sich den letzten Farbklecks von der Hand. „Als neulich die Tierärztin da war, hat sie gesagt, dass sie so ein sauberes Tier noch nicht gesehen hat. Ein Tier, dass sich selbst und andere pflegt“, erläutert. Schließlich hat Robby noch alle Zähne und nur leichten Zahnstein. Nur beim Gewicht hat Robby in den letzten Monaten etwas zugelegt. Nun kommt der rüstige Rentner auf etwa 75 Kilogramm. Damit er mit seinen 46 Jahren noch mehr durch sein Außengehege turnt, hängen Köhlers an einige Zweige Bananen. Aber wenn der Affe keinen Appetit hat, kann man ihn selbst nicht mehr mit Obst locken. Nach der letzten Untersuchung testete Alexandra Dörnath Robby musikalische Begabung. Doch mit Keyboard und Xylofon konnte der Schimpanse gar nichts anfangen, er lässt sich im Alter nichts mehr aufschwatzen. Klaus Köhler ist sich sicher: „Robby braucht nur seine Familie, um glücklich zu sein.“