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Celle Stadt Celler Wetter 2013 war voller Extreme
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Wetter 2013 war voller Extreme
19:24 02.01.2014
Winterfreuden in Celle. - Tim. (2 Jahre alt) Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Anfang des neuen Jahres lohnt sich ein Blick auf die Wetterbilanz 2013. In der Südheide war das vergangene Jahr insgesamt von viel Mittelmaß geprägt. Allerdings warteten die einzelnen Monate mit jeder Menge Wetterextremen auf, vor allem im Frühjahr und Sommer.

Spektakulär war die Jahrhundertkälte im März, die wohl den meisten von uns noch in übler Erinnerung geblieben ist. Interessanterweise sanken die Temperaturen schon ab Dezember 2012 kontinuierlich von durchschnittlich 2,5 Grad auf plus 0,3 Grad im Februar und schließlich minus 0,4 Grad im März ab (alle Werte Celle).

Während wir in der ersten Märzwoche bei vorfrühlingshaften 15 Grad noch auf ein zeitiges Ende des Winters hoffen konnten, kam es zu Beginn des zweiten Monatsdrittels mit Winddrehung auf Nordost zu einem massiven Vorstoß kontinentaler Arktikluft aus Nordsibirien nach Norddeutschland. Dabei wurden in Celle am 13. März mit minus 14,4 Grad, am Boden über fünf Zentimeter Schnee bis minus 19 Grad, die niedrigsten Temperaturen des ganzen Winters gemessen.

Den Höhepunkt dieser außergewöhnlich späten und extrem intensiven Kältewelle markierte der 23. März, als das Thermometer selbst am Tag nicht über minus 2,1 bis minus 2,6 Grad (Celle beziehungsweise Faßberg) hinauskam (neuer Dekadenrekord) und in der folgenden Nacht auf minus 9 beziehungsweise minus 10 Grad sank. Um auf ein noch kälteres letztes Märzdrittel zu treffen, muss man 130 Jahre zurückgehen. Damals, im März 1883, traten in Norddeutschland sogar noch deutlich tiefere Monatsmittel auf als diesmal.

Auf die Jahrhundertkälte im März folgte das frostigste erste Aprildrittel seit 1987 mit dem kältesten Osterfest seit mindestens 100 Jahren. Es schloss sich einer der feuchtesten Maimonate seit Messbeginn an. Verbreitet kam deutlich mehr als das Dreifache der normalen Regensumme runter, was auch zu entsprechenden Überflutungen der Aller führte. Das letzte Maidrittel war zudem das sonnenscheinärmste jemals mit dem trübsten Pfingstfest aller Zeiten. Lediglich die zweite Aprilhälfte konnte mit strahlendem Sonnenschein und Höchstwerten bis 26 Grad zumindest zeitweise punkten.

Durch den Tiefschlag des 4,2 bis 4,5 Grad zu kalten März blieb auch das gesamte Frühjahr in der Südheide um 1,1 bis 1,6 Grad zu kalt und war damit das kühlste seit 1987. Unter den tiefen Temperaturen hatten auch die Pflanzen zu leiden. Noch Anfang Juni hinkte die Vegetationsentwicklung um zwei bis drei Wochen hinterher.

„Der Sommer war sehr groß“, um es mit den Worten des Dichters Rainer Maria Rilke zu sagen. Nach einem eher mäßigen Auftakt im Juni, trumpfte er vor allem im Juli mit perfektem Bade- und Ferienwetter auf. Beständige Hochdrucklagen sorgten für anhaltend wolkenarmes und oft mediterran anmutendes Freizeitwetter mit überwiegend gemäßigten und nur wenig schwülen Tagestemperaturen um 25 Grad. Aber auch die Augustwochen brauchten sich nicht zu verstecken. Das Tüpfelchen auf dem „I“ waren drei kurze nordafrikanische Hitzewellen mit deutlich über 30 Grad, die uns Ende des zweiten Junidrittels, in der letzten Julidekade und Anfang August ins Schwitzen brachten (Jahresmaximum Celle am 2. August 36,3 Grad, Faßberg 35,9 Grad). Mit 105 bis 126 Liter Niederschlag pro Quadratmeter spendete der Sommer in Faßberg und Celle nur 50 bis 60 Prozent der normalen Niederschläge und war damit, nach dem legendären Dürresommer 1959 und dem Sommer 1983 der dritttrockenste der Nachkriegszeit.

Die Herbstmonate zeigten sich überwiegend unauffällig. Leicht übernormale Temperaturen, einige intensiv feuchte und lange trockene Phasen sowie eine nahezu durchschnittliche Sonnenscheindauer, prägten die Witterung. Am 6. September war es noch einmal 30 Grad warm und am 22. Oktober erreichten wir 22 Grad.

Bliebe noch der 3 Grad zu warme Dezember zu erwähnen, der außer am Nikolaustag, im Schlepptau von Orkantief „Xaver“, gar keine weißen Überraschungen für uns bereithielt – dafür umso mehr vom ungeliebten Weihnachtstauwetter. In subtropischer Warmluft stieg das Quecksilber an Heiligabend in Celle auf sagenhafte 14 Grad.

Von Reinhard Zakrzewski