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Celle Stadt Celler feiert Weihnachten in der Schuldenfalle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler feiert Weihnachten in der Schuldenfalle
19:05 20.12.2017
Von Christian Link
Damit sein Stromanschluss wieder freigeschaltet wird, muss Benjamin Ölke mindestens 400 Euro zahlen. Quelle: Christian Link
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Während Ölke am Dienstag in seinem Ein-Zimmer-Appartement seine Situation schildert, klingelt es an der Tür. Der Hausmeister überbringt íhm die Nebenkostenabrechnung für 2016, die eine Nachzahlung von fast 500 Euro erforderlich macht, und meint ganz beiläufig: "Die Kündigung für die Wohnung bekommen Sie Ende Januar."

Ganz unschuldig ist Ölke an seiner derzeitigen Lage nicht und das sieht er auch ein. "Es ist meine Schuld, dass ich keinen Strom habe. Aber jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll", sagt der 29-Jährige. Nach Beziehungsproblemen sei er Mitte des Jahres in ein Loch gerutscht, aus dem er lange nicht herauskam. In dieser Zeit zeigte er gegenüber seinem Stromversorger SVO eine so schlechte Zahlungsmoral, dass ihm das Unternehmen die Leitung abklemmte. Mithilfe eines Darlehens vom Jobcenter konnte er jetzt zwar seine Schulden weitgehend begleichen und den Energieanbieter wieder zum Einschalten des Stroms bewegen. Doch bevor Ölke die Heizung und anderen Geräte wieder einschalten kann, muss zunächst ein Elektriker anrücken – und den kann er sich nicht leisten.

Mit rund 420 Euro würde der Einsatz des Handwerkers laut Kostenvoranschlag zu Buche schlagen. Allein die Freimeldung bei Celle-Uelzen-Netz, der E-Check, Anfahrt und Montage liegen bei insgesamt 234 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Dazu kommen Reparaturkosten und Ersatzteile für einen neuen Sicherungsschalter und eine neue Steckdose in Höhe von fast 120 Euro.

Die Elektriker-Rechnung könnte Ölke mithilfe eines weiteren Darlehens des Jobcenters stemmen. Allerdings hatte die Behörde ihm den Kredit bislang verweigert, weil sie auf weitere Angebote von anderen Handwerkern bestand. Zusätzliche Kostenvoranschläge kriegt Ölke vor Weihnachten allerdings nicht mehr zusammen. "Wir haben schon bei mindestens zehn Anbietern angerufen, aber wir kriegen keinen Termin mehr", berichtet sein Freund Leon, der zusammen mit Ölke einen Ausweg sucht.

"Wir haben kein Interesse, jemanden bei so etwas Existenziellem wie Strom auflaufen zu lassen", versichert Jobcenter-Sprecher Marc Seemann gegenüber der CZ: "Unser Ziel ist es, die Leute in Arbeit zu bringen. Das ist mit Strom deutlich leichter." Die Behörde könne aber nicht einfach so ohne weiteres ein Darlehen vergeben. Die Abgabe eines einzigen Kostenvoranschlags sei in Ausnahmefällen aber auch möglich. Seemann: "Dann reicht es, wenn der Kunde darstellen kann: Er hat's versucht. Das muss er aber auch so dokumentieren, dass es nachvollziehbar ist." Am Jobcenter soll die Freischaltung des Stroms aber nicht scheitern. "Wir gehen davon aus, dass es diese Woche noch passiert", sagt Seemann.

Zuvor würde das Jobcenter aber gerne noch den Elektriker kontaktieren, um einige Unklarheiten zu beseitigen. Dieser sei gestern jedoch für den Sachbearbeiter nicht zu erreichen gewesen. Bei dem Gespräch wird sicher auch der Rechnungsbetrag thematisiert, der für einen Wiederanschluss ans Stromnetz verdächtig hoch ist.