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Celle Stadt Celler fordern Glyphosat-Verbot
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler fordern Glyphosat-Verbot
19:53 21.11.2017
Von Dagny Siebke
Wundermittel oder Krebserreger? 15 Aktivisten haben gestern vor dem CDU-Bürgerbüro gegen den Einsatz von Glyphosat demonstriert. Den Mitarbeitern übergaben sie das Gutachten eines Plagiatsprüfers. Dieser geht davon aus, dass für den Risikobewertungsbericht bei Monsanto abgeschrieben wurde. Quelle: Oliver Knoblich
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Überdimensionale Schmetterlinge, Bienen und Vögeln schwirren vor der CDU-Geschäftsstelle umher. Einer der 15 Aktivisten ist als Monsanto-Mitarbeiter verkleidet und versprüht eine Flüssigkeit. Zum Glück ist es nur Wasser und kein Glyphosat. Denn das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzenschutzmittel steht im Verdacht, das Insektensterben zu begünstigen und auch beim Menschen Krebs auszulösen.

Den Appell "Glyphosat muss vom Tisch" haben bereits 1,3 Million Europäer unterschrieben. Die Bürgerbewegung "Campact" hatte nun dazu aufgerufen, zu 100 CDU-Partei-Büros in ganz Deutschland zu strömen, um lokale Unionspolitiker zu erreichen. Denn die Wiederzulassung des Unkrautgifts hänge allein von CDU und CSU ab, betont Campact. Zweimal schon hat die EU-Kommission in Brüssel abgestimmt, zweimal gab es einen Patt. "Deutschland hätte längst den Unterschied machen können, hat sich aber enthalten", so die Bürgerbewegung.

Sabine Seifert hat die Protest-Aktion in Celle organisiert. Sie sagte: "Ich finde es dramatisch, dass es immer weniger Insekten und damit auch immer weniger Vögel gibt. Wir müssen dringend etwas gegen das Artensterben tun." Ihrer Meinung nach ist eine Landwirtschaft auch ohne Glyphosat möglich – auch ohne ökonomische Nachteile. Mechanische Methoden wie das Pflügen könnten Glyphosat überflüssig machen. Auch Wildkräuter verringerten nicht grundsätzlich die Produktivität, erhöhten die Qualität der Böden und böten Insekten Lebensraum, so Seifert.

Die Celler Aktivisten haben den Mitarbeitern des CDU-Bürgerbüros ein Gutachten von Plagiatsprüfer Stefan Weber übergeben. Nach Einschätzung des Wissenschaftlers hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seinem Bericht über Glyphosat wesentliche Angaben von Herstellern des umstrittenen Unkrautgifts wörtlich übernommen. "Das Institut hat von Monsanto abgeschrieben", betonte Sabine Seifert. "Man hat versucht, dies bewusst zu verschleiern, indem man bestimmte Quellenangaben weggelassen hat." Der BfR-Bewertungsbericht dient als wissenschaftliche Grundlage für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Zulassungsverlängerung von Glyphosat für weitere zehn Jahre. "Wir wollen, dass Deutschland sich bei der Abstimmung nicht mehr enthält, sondern eindeutig nein zu Glyphosat sagt", forderte Seifert.

Henning Otte war zu dieser Zeit im Bundestag und sprach über Auslandseinsätze der Bundeswehr. Später meldete er sich noch zu Wort. Otte findet Protestaktionen legitim. Allerdings sollten hierbei Positionen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern fachliche Aspekte im Vordergrund stehen. "Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur hat bei mir einen sehr hohen Stellenwert auch als Volksvertreter eines ländlichen Wahlkreises", betonte der Bundestagsabgeordnete. "Ich habe Vertrauen zur Landwirtschaft, die im Generationenvertrag die landwirtschaftliche Nutzfläche weitergibt und Pflanzenschutzmittel behutsam und effizient einsetzt." Otte erläuterte, dass Glyphosat auf vielen Standorten emissionsarme und klimafreundliche Direktsaatverfahren ermögliche.