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Celle Stadt Celler gehen "Weg der Erinnerung"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler gehen "Weg der Erinnerung"
16:39 02.11.2018
Von Dagny Siebke
Die Celler erinnern stellvertretend für 6 Millionen ermordete Juden an Familie Cussel, Jacob Löwenstein, Jenny Schlüsselburg, Robert Meyer, Familie Kohls und Familie Feingersch. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Mit den November-Pogromen, den Morden und Zerstörungen überschritt das national-sozialistische Deutschland eine weitere Schwelle auf dem Weg von der Diskriminierung zum systematischen Mord an den Juden in Deutschland und in Europa. Um der Opfer zu Gedenken organisiert das „Celler Netzwerk gegen Antisemitismus“ eine Veranstaltungsreihe.

"An diesem 9. November erinnern wir an die Geschehnisse vor 80 Jahren. Wir verbinden das Gedenken mit einem Zeichen der Solidarität in einer Zeit, in der der Antisemitismus wieder zu einer deutlichen und gegenwärtigen Bedrohung geworden ist", sagen die Veranstalter. "Die Sprache des modernen Judenhasses wird dabei oft verkannt. Verleumdung und Hetze geben sich als Kritik an Israel. Die Vernichtungsdrohungen und die Waffen, die das iranische Regime gegen Israel richtet, werden schweigend hingenommen oder überhört, viel zu oft auch von deutschen Politikern." Gedenken allein genüge nicht. Deswegen werde dieses am 9. November mit einer klaren Absage an alle Formen des Antisemitismus heute verbunden.

Am Freitag, 9. November, um 16 Uhr lädt das „Celler Netzwerk gegen Antisemitismus“ zum Gedenken an die Pogromnacht zu einem Gottesdienst mit Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart und Pastor Dirk Wagner in die Stadtkirche ein.

Ab 17 Uhr erinnern Schüler der Oberschule I an sechs Stolpersteinen an die ermordeten jüdischen Bürger Celles und geben ihnen ihre Identität zurück. Der Weg führt von der Stadtkirche zur Synagoge. Vor der Synagoge wird das Kaddisch gesprochen.

Gegen 18 Uhr lesen Dr. Kristlieb Adloff und Jürgen Kumlehn aus den Gedichten und Briefen von Joachim Esberg, die 70 Jahre nach der Ermordung Esbergs in Auschwitz entdeckt wurden. Esberg schreibt über seine Situation im Exil und sein auswegloses Schicksal.

Für eigene Recherche: Eine neue Internetseite informiert über die Pogrome gegen Juden in Niedersachsen vor 80 Jahren. Auf www.pogrome1938-niedersachsen.de wird die Zerstörung von Synagogen und die Verhaftung von Juden zwischen Dornum an der Nordsee und Hann. Münden am 9. November 1938 und an den Folgetagen auf Fotos und in Texten dargestellt. „Zwar wurden die Pogrome reichsweit zentral gesteuert. Doch das Ausmaß der Brutalität vor Ort war das Ergebnis des Handelns und Entscheidens lokaler Akteure“, sagte Jens-Christian Wagner als Geschäftsführer der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten am Freitag in Celle.

Die Internetseite bietet zu rund 100 Orten auch Informationen über die Vorgeschichte, die Folgen nach 1938, die juristische Aufarbeitung und das heutige Gedenken. Die Stiftung hat zusammen mit Studierenden der Geschichte der Leibniz Universität Hannover sowie Gedenkstätten, Initiativen und Einzelpersonen die Seite erarbeitet. Insgesamt zerstörten Nationalsozialisten während der Novemberpogrome im Deutschen Reich 1.400 Synagogen und Betstuben. 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.

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