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Celle Stadt Celler gründet Optikerschule in Uganda
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler gründet Optikerschule in Uganda
16:11 23.12.2016
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Fiemel hatte an Hilfseinsätzen der Celebrate Hope Ministries teilgenommen. Auch jetzt leisten die Pastoren der gut vernetzten, ugandischen Hilfsorganisation einen wichtigen Beitrag beim Aufbau der Optikerschule und unterstützen das von Fiemel ins Leben gerufene "Vision Aid Project" nach Kräften. "Aus jedem der 15 Bezirke in der Region wollten wir einen Schüler haben. Die Pastoren haben uns geholfen, geeignete Kandidaten zu finden", berichtet Fiemel. In einem Land wie Uganda, in dem die meisten Einwohner gerade einmal sechs Jahre lang die Schulbank gedrückt haben, kein leichtes Unterfangen. Doch die Pastoren haben "gute und hoch motivierte Leute" gefunden.

Seit März drücken die künftigen Optiker nun schon bereits die Schulbank. Das Programm ist ambitioniert. "Im ersten Block habe ich selbst Grundlagen der Physik und Anatomie vermittelt", erzählt Fiemel, der einen Großteil des Unterrichtsmaterials selbst konzipiert. Zwischen den halbjährigen Blockunterrichtseinheiten werden Aufgaben per E-Mail an den Hauptsitz von Celebrate Hope Ministries geschickt, die Pastoren verteilen sie an die einzelnen Standorte weiter, wo sie letztlich die Schüler erhalten. Auf demselben Weg zurück erhält Fiemel die Arbeiten der Schüler und kann sie korrigieren.

"Das klappt extrem gut", ist Fiemel sehr zufrieden. Im Frühjahr kann er über die Kirche sogar Räumlichkeiten für den Unterricht anmieten, wo die Schüler dann zum Blockunterricht zusammenkommen können. "Finanziert wird alles über ein Patensystem. Ich habe andere Optiker gefragt, ob sie einen Schüler unter ihre Fittiche nehmen wollen. Fast jeder hat so bereits einen Mentor bekommen." Insgesamt kostet das die Paten 2400 Euro – für die gesamte Ausbildung wohlbemerkt. Darin enthalten sind alle Fahrten, die Unterbringung und die Verpflegung der Schüler. "Einen Lohn bekommen sie nicht. Sie gehen noch ihren bisherigen Beschäftigungen nach. Nach der Ausbildung nach etwa zweieinhalb Jahren können sie sich aber ihren Lebensunterhalt als Optiker verdienen", sagt Fiemel. Ausgerüstet werden sie dafür noch von ihren Paten mit einem Koffer, in dem sich Messbrillen, Messgläser und Messtafeln befinden. Wert: 1500 Euro.

Nachdem Fiemel gerade erst im Oktober wieder vor Ort war, wird er im März erneut für ein paar Wochen nach Uganda reisen. "Dann werden wir eine Zentralwerkstatt einrichten, die im Kern aus alten gespendeten Maschinen besteht. Im Februar wird sie verschifft. Ich fahre dann runter, um sie aufzubauen." Die Idee: Verteilt über die 15 Standorte werden Fiemels Schüler irgendwann die Menschen in ihrer Region auf ihre Sehschwäche hin untersuchen können. Über ein Botensystem werden dann die Bestellungen aufgegeben, die in der Zentralwerkstatt gefertigt und wieder ausgeliefert werden. Das Material besorgt Fiemel aus Überproduktionen von hiesigen Firmen und Brillenglasherstellern. "Eine Brille wird dann umgerechnet 5 Euro kosten. Von dem ganzen Produktionsprozess können dann unsere Optiker, die Boten und etwa vier bis fünf Leute, die in der Zentralwerkstatt arbeiten, leben", so Fiemel, der dann in Uganda 20 Jobs geschaffen hätte. "Brillenspenden brauche ich jetzt schon nicht mehr. Vielen Dank an alle Celler, die sich daran beteiligt haben."