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Celle Stadt Celler helfen Freunden in Nepal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler helfen Freunden in Nepal
20:13 08.05.2015
Daniel und Helen Wagenknecht sind im Februar durch Nepal gereist (großes Bild). Im Anschluss begleitete der 27-Jähre als Arzt ein Medizin-Camp des Vereins LiScha. Mit ärztlicher Versorgung und Clowneinlagen (rechts oben) engagieren sich die Helfer – auch nach dem Erdbeben.  Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Mit Wanderstöcken und zwölf Kilogramm Gepäck auf dem Rücken geht Helen Wagenknecht einen Trampelpfad entlang. Neben ihr erstreckt sich ein beeindruckendes Gebirge: der Himalaja. Unter den weißen Gipfeln liegen versteckte grüne Felder. In den Dörfern begegnen sie und ihr Sohn Daniel netten, gastfreundlichen Menschen. Sie sind bettelarm und doch strahlen sie Zuversicht aus, findet Helen Wagenknecht.

Die wunderschöne Landschaft und die Einwohner Nepals versetzten die Cellerin auch noch zwei Monate nach ihrer Reise ins Schwärmen – doch jetzt empfängt sie ganz andere Bilder aus der Gegend. „Ich sitze jeden Tag am Computer, informiere mich und denke an die Menschen“, sagt die 50-Jährige. Die Nachricht des verheerenden Erdbebens war ein Schock für sie.

Denn sie und ihr Sohn haben nicht nur Menschen dort kennengelernt, sie haben seitdem auch eine Idee, wie das Land organisiert ist. Beiden war klar: Das ist eine Katastrophe, mit der die Regierung nicht umgehen kann. „Die Menschen haben nichts und verlieren auch das noch“, sagt Daniel Wagenknecht. Er war über drei Wochen in Nepal. Nachdem er mit seiner Mutter durch die Annapurna-Region gewandert ist, half der junge Arzt bei einem Medizin-Camp der Organisation LiScha-Himalaya. Dort lernte er das Volk der Chepang kennen, die als Nepals fast vergessene Ureinwohner gelten. In diesen Tagen denkt er besonders an die Menschen, die in entlegenen Bergregionen leben. „Das internationale Interesse liegt vor allem bei Kathmandu und der Everest-Region, die ist aber gut versorgt. Gerade die unzugänglichsten Gebiete sind betroffen“, weiß der 27-Jährige.

Deswegen unterstützen Wagenknechts die Helfer von LiScha. Die Initiatoren Daniela Jährig und Steffen Schöley setzen sich seit Jahren für die Ärmsten Nepals ein. Dafür sind die Deutschen nach Kathmandu ausgewandert und leben mehrere Monate des Jahres auch in den Marabat-Bergen nahe der Chepang. „Wir haben Daniela und Steffen kennengelernt. Beide haben etwas ganz Warmes an sich und haben mit der Arbeit das gefunden, was sie machen wollen“, sagt Helen Wagenknecht.

Das Paar und die kleine Gruppe Helfer kümmern sich sehr liebevoll um die Einwohner. Dabei sseien sie selbstlos und hätten sich nach dem Erdbeben ohne zu zögern in Krisengebiet begeben, sagt die 50-Jährige, die weiß: „Die Straßen dort sind nicht ungefährlich.“

Vor der Katastrophe war ein Ziel von LiScha, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisen. Besonders die Bildung der Mädchen liegt ihnen am Herzen. Daniel Wagenknecht hat dafür bereits die Patenschaft eines kleinen Mädchens übernommen. Auch seine Mutter hat sich dafür entschieden – doch dann kam das Erdbeben dazwischen. „Jetzt verteilen sie Hilfsgüter wie Zelte und Decken. Ein großes Problem ist das Trinkwasser“, sagt Daniel Wagenknecht, der im Kontakt mit der Organisation steht.

Zunächst hat er sich Sorgen um seine Bekannten gemacht. Als er wusste, dass es ihnen gut geht, wollte er am liebsten selbst in den Flieger steigen und helfen – so ging es auch seiner Mutter. Doch seine Facharztausbildung beginnt demnächst. Deswegen versucht er jetzt von hier aus zu helfen und die Arbeit von LiScha bekannt zu machen.

Im nächsten Jahr will er dann wieder zum Medi-Camp. „Dann bleibe ich länger, es wird auch dann noch viel zu tun sein.“

Von Johanna Müller