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Celle Stadt Celler interessieren sich für Wertewandel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler interessieren sich für Wertewandel
12:37 31.03.2017
Von Gunther Meinrenken
Christian Felber, Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie, setzt sich für einen Wertwandel in der Gesellschaft ein. Am Mittwochabend sprach er in der Celler Kreuzkirche. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Felber ist ein vielgefragter Mann. Zum Glück für die Celler GWÖ-Gruppe konnte er seinen Besuch in Celle noch zwischen zwei Termine schieben. Einer von diesen: Am Tag zuvor hat der 44-Jährige in Hamburg den Zeit-Wissen-Preis "Mut zur Nachhaltigkeit" erhalten. "Eine hohe Auszeichnung", wie Felber selbst befand, nachdem er mit einem Radschlag an das Rednerpult in der Kreuzkirche trat. Das ist für Felber mehr als nur eine Turnübung, es hat Symbolkraft. Felber will die "Dinge auf den Kopf stellen", doch eigentlich meint er damit, die Welt wieder so zu ordnen, wie sie sein sollte.

Fein säuberlich sezierte Felber das heutige Wirtschaftssystem. Obwohl in der Verfassung stehe, dass das Ziel des wirtschaftlichen Handelns das Gemeinwohl sei, ginge es im "globalisierten Kapitalismus" darum, das Kapital zu vermehren. Geld sei nicht mehr das Mittel, um für alle bessere Lebensbedingungen zu schaffen, sondern dessen Vermehrung sei zum reinen Selbstzweck verkommen. Statt Gemeinsinn regierten Geiz und Eigennutz.

Die GWÖ sei eine Alternative neben anderen. "Wir wollen, dass es allen gut geht", so Felber. Gemeinwohl müsse als oberstes Ziel des Wirtschaftens gelten. Wirtschaftlicher Erfolg solle nicht mehr in barer Münze gemessen werden, sondern nach der Gemeinwohl-Bilanz. Hier würde jedes Unternehmen etwa in den Kategorien Nachhaltigkeit, Demokratie oder soziale Gerechtigkeit bewertet. Entsprechend der Bilanz würden die Firmen, die viel für das Gemeinwohl beitrügen, etwa Steuererleichterungen erhalten oder bei Ausschreibungen bevorzugt. Denn derzeit seien sie oft wegen ihrer höheren Kosten gegenüber den "normalen" Unternehmen nicht konkurrenzfähig.

Felber ermutigte seine Zuhörer, sich auf örtlicher Ebene zu engagieren. Die Celler selbst könnten Kategorien für eine Kommunalwahl-Bilanz erstellen und abstimmen lassen, so selbst entscheiden, was ihnen vor Ort am wichtigsten ist und so einen Wandel von der Basis her einleiten. Der ist bereits im Gange. In den bald sieben Jahren ihres Bestehens haben sich weltweit 2234 Firmen und Institutionen der GWÖ verschrieben, darunter Banken und Kommunen.

Der GWÖ-Gründer experimentierte dabei mit den Cellern auch mit einer neuen Form der demokratischen Meinungsfindung, bei der nicht die Mehrheit entscheidet, sondern die Alternative gewählt werde, die den geringsten Widerstand erfahren würde, ein Procedere, dass deutlich weniger Verlierer bei Abstimmungen produziere. Zehn Personen aus dem Publikum sollten darüber befinden, wie viel mehr als das Grundgehalt von 1500 Euro der Spitzenverdienst in einem Land sein sollte. Die Entscheidung der Celler: das zehnfache. "Es ist immer die 10", berichtete Felber und warf andere Beispiele an die Leinwand, auch aus dem Ausland, und dann zeigte er, was Spitzenmanager verdienen. Ein Raunen ging durch den Saal.

Moderatorin Liliane Steinke, Leiterin der Volkshochschule, fasste den Abend treffend zusammen: "Das Ende des Vortrags ist der Anfang in Celle."