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Celle Stadt Celler kritisieren Online-Umfrage für Lehrer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler kritisieren Online-Umfrage für Lehrer
18:39 30.06.2016
Welche Belastungen haben Lehrer in der Schule. Die Umfrage dazu aus dem Kultusministerium stoßen im Landkreis Celle auf Kritik. Quelle: Axel Heimken
Celle Stadt

Sehr erfreut zeigte sich die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) diese Woche über den Rücklauf der Online-Umfrage „Mehr Zeit für gute Schule“. In Celle sieht man dieses vorläufige positive Fazit aber kritisch. 10.300 Lehrer haben sich nach Angaben des Ministeriums beteiligt und den Fragebogen ausgefüllt. Eine „große Resonanz“, wie Heiligenstadt findet. Bezogen auf die Gesamtzahl von 90.000 Lehrern, sind das aber gerade mal elf Prozent. Geht man von Berichten im Internet aus, nach denen ein durchschnittlicher Rücklauf bei Online-Umfragen irgendwo bei über 20 Prozent liegt, relativiert sich die Resonanz doch ganz schnell.

Charles M. Sievers, FDP-Kreisvorsitzender und selbst Lehrer an der Oberschule Lachendorf, kann sich vorstellen, warum so wenige mitgemacht haben. „Die Online-Befragung ist zum Ende des Schuljahres gemacht worden, wo sich die Arbeit an den Schulen mit Prüfungen und Zeugnissen ballt“, sagt Sievers. Er hält den Zeitpunkt für eine „Respektlosigkeit gegenüber den Lehrern. Das zeugt von wirklich wenig Empathie“, sagt Sievers.

Die Zahl 10.300 relativiert sich weiter, denn wie das Ministerium zugab, haben 400 Teilnehmer die Umfrage abgebrochen. Sie wurden aber trotzdem mitgezählt, auch wenn ihre Angaben gar nicht untersucht werden.

Laut Manfred Busch, Landesvorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte, hat die Befragung mehr als eine halbe Stunde gedauert. „Man durfte zwischendurch keine Pause machen, dann wurde die Umfrage als abgebrochen gewertet“, sagt Busch. Sowohl er als auch Sievers sehen die Fragen und die Methodik kritisch. „Das waren Hurra-Fragen. Die lassen sich ganz einfach in eine positive Richtung interpretieren“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende. Zur Inklusion sei beispielsweise nur sehr oberflächlich befragt worden.

„Wenn man ein bestimmtes Ergebnis haben will, stellt man die Fragen einfach in eine bestimmte Richtung“, ergänzt Busch. Dieser Eindruck dränge sich bei dieser Befragung auch auf. Außerdem sei die Bandbreite der Teilnehmer groß. „Es sind Schulleitungen, Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter an 17 verschiedenen Schulformen aufgefordert worden, teilzunehmen. Die Belastungen einer Grundschullehrkraft sind aber andere als die einer Sekundar-I-Lehrkraft oder Oberstufen-Lehrkraft.

Mit der Auswertung der Online-Befragung ist das Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Leuphana-Universität Lüneburg beauftragt, das die Befragung auch organisiert hat. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich im August erwartet. Ein Zwischenbericht zu den quantitativen Fragestellungen mit ersten Analysen wird voraussichtlich im Herbst 2016 und der Abschlussbericht mit den Ergebnissen der qualitativen Fragestellungen im Frühjahr 2017 veröffentlicht.

Busch erwartet dann Konsequenzen. „Es darf nicht bei kosmetischen, marginalen Korrekturen bleiben. Wir erwarten von der Ministerin konkrete Vorschläge zur Arbeitsentlastung der Lehrkräfte und kein Vertrösten auf später, sprich: nach der nächsten Landtagswahl“, so Busch.

Tore Harmening

Von Tore Harmening