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Celle Stadt Celler radelt nach Paris
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler radelt nach Paris
16:16 07.07.2017
Gerhard Bönisch mit seinem ersten Fahrrad (kleines Foto), das er zu Weihnachten geschenkt bekam, und mit seinem vierten Fahrrad, einem Elf-Gang-Tourenrad. Quelle: Christina Matthies
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GROSS HEHLEN. „Mein erstes Fahrrad habe ich 1957 zu Weihnachten bekommen“, erinnert sich der Groß Hehlener. „Das heißt, mein erstes richtiges Rad ohne Stützräder – im Sattel sitze ich nämlich schon von Kindesbeinen an.“ Mittlerweile ist Bönisch bei seinem vierten Fahrrad angekommen: „Ein Elf-Gang-Tourenrad mit Nabenschaltung“, sagt er stolz.

Den Elberadweg entlang von Prag bis nach Cuxhaven, unterwegs auf dem Donauradweg von der Quelle bis in die österreichische Hauptstadt, London, Brüssel oder Amsterdam – Bönisch und sein Tourenrad könnten inzwischen wohl so einiges erzählen. „Die schönste Reise habe ich aber mit meinem alten Torpedo-Drei-Gang unternommen“, verrät der Fahrrad-Narr. „Das war 1974, meine Frau und ich waren damals frisch verlobt und wollten unbedingt nach Paris.“ 2.555 Kilometer ohne den Komfort einer modernen Gangschaltung: „Das war schon was“, schmunzelt Bönisch.

Vier Wochen sei das Paar unterwegs gewesen, berichtet der Groß Hehlener. „Meine Schwiegereltern waren so entgeistert, dass wir mit dem Fahrrad los wollten, dass sie uns Geld angeboten haben, damit wir mit dem Auto fahren.“ Für Bönisch und seine künftige Ehefrau kam das aber überhaupt nicht infrage: „Wir waren Exoten damals“, sagt Renate Bönisch und lacht. Mit einem alten Bundeswehrkochtopf auf dem Gepäckträger ging es zuerst durch das Marnetal, und dann über die Champagne bis direkt nach Paris. „Kein Hotel wollte uns aufnehmen, nachdem sie einen Blick auf uns und unsere Fahrräder geworfen hatten – auf Radtouristen war man einfach noch nicht eingestellt.“ Also übernachteten die Bönischs in Jugendherbergen – und sind bis heute dabei geblieben.

Inzwischen sei das Reisen mit dem Fahrrad jedoch sehr viel angenehmer geworden: „Damals mussten wir uns bei Regen ja noch den gelben Friesennerz überstülpen“, erzählt Bönisch, „da ist die Funktionswäsche von heute natürlich viel praktischer.“ Die Reifen seien ebenfalls aus wesentlich besserem Material, fügt Ehefrau Renate hinzu. „Früher mussten wir jeden Tag irgendein Loch flicken – bei den letzten beiden Touren war das kaum noch nötig.“ Auch in diesem Sommer planen die beiden wieder eine längere Rundreise, diesmal soll es von Neuhaus am Rennweg über Weser und Werra zurück nach Celle gehen. „Ich will Fahrrad fahren, solange es gesundheitlich irgendwie möglich ist“, sagt der 68-Jährige. „Und wenn es mit dem Zweirad mal nicht mehr klappen sollte, hole ich mir eben ein Dreirad. Da bin ich überhaupt nicht eitel.“

Die Tour nach Paris hat das Ehepaar gut 20 Jahre später übrigens noch einmal wiederholt: „Diesmal zusammen mit unserem Sohn, der unbedingt beweisen wollte, dass er die Strecke auch ohne moderne Gangschaltung schafft“, so Bönisch augenzwinkernd.

Von Christina Matthies