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Celle Stadt Celler trauern um Konservativen mit Esprit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler trauern um Konservativen mit Esprit
17:26 15.05.2015
Odo Marquardt: Prominenter Philosoph wird 85. Hier mitzwei neu aufgelegten Reclam-Büchern über den Philosophen. Quelle: Gert Neumann
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Im Alter von 87 Jahren ist kürzlich der in Stolp geborene Philosoph Odo Marquard verstorben. Die letzten zweieinhalb Jahre seines Lebens wohnte er mit seiner Ehefrau Edeltraut in zwei nebeneinanderliegenden Appartements im Sophien-Stift. Marquard lebte gern in Celle, auch wenn er hier in kurzer Zeit großes Leid ertragen musste. Denn tragischerweise verlor er vor einem Jahr seinen einzigen Sohn, den Arzt Dr. Felix Marquard, bei einem Unfall in Australien. Seinetwegen war er in die Residenzstadt gezogen.

Marquard war 27 Jahre lang Professor für Philosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes hinterlässt viele Schriften wie etwa „Abschied vom Prinzipiellen“ oder „Zukunft braucht Herkunft“. „Odo Marquards philosophische Studien sind in der Regel unterhaltsame Lektüre, für jene, die sich auf solche Lektüre gern einlassen. Sein Denken umkreiste die ewige Frage nach Leben und Tod auf oft heitere Weise“, schreibt der Celler Schriftsteller Oskar Ansull. „Er scheute nicht einen Witz in seine Ausführungen zu platzieren, wenn dieser den Gedankennerv treffen konnte.“

15 Jahre lang war Professor Franz Josef Wetz Marquards Schüler. Für ihn war der herzlich-distanzierte Mentor ein „Bourgeois Bohemian“ oder anders gesagt ein „Konservativer mit Esprit“ – auch wenn diese Begriffe eigentlich nicht zusammenpassen. „Er verkörperte den Humor als Bewältigungsstrategie der Melancholie“, sagt der 57-Jährige.

Ansull verweist darauf, dass auch schon Königin Caroline Mathilde und der Schriftsteller Arno Schmidt oder die Künstlerin Anna Oppermann nach kurzem Aufenthalt in Celle verstorben sind. Es passe irgendwie dazu und zu Marquards Selbstverständnis, ein in seinem philosophischen Fach Hockender und doch zugleich auch Flüchtiger zu sein, so Ansull. „Und da Marquard das Alter wohl als Ende, aber nicht als Ziel angesehen hat, ist er eben immer noch ein Flüchtiger, schwer zu Fassender, wo auch immer er jetzt hocken mag.“ Dagny Rößler

Von Dagny Rößler