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Celle Stadt Celler verteilen Spenden in Türkei
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler verteilen Spenden in Türkei
16:20 21.05.2015
Monika Grawunder und Co. in der Türkei Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Bei der Aktion "Menschen helfen Menschen" hatten die Mitglieder der Initiative Mauernstraße in Celle durch Spenden und Verkäufe von Kuchen und und kurdischen Spezialitäten einen Betrag von 12.500 Euro gesammelt, um damit den Menschen in den Flüchtlingslagern in der Süd-Türkei zu helfen. Doch statt das Geld auf ein Spendenkonto zu überweisen, hat sich eine Gruppe aufgemacht, das Geld vor Ort zu verteilen.

"Es besteht bei den Spendern doch eine gewisse Skepsis, wo das Geld letztendlich hinfließt. Deshalb sind wir auf private Kosten in die Region Diyarbakir gereist, um ein Auge darauf zu haben", erklärt die Vorsitzende der Initiative, Monika Grawunder, die zusammen mit ihrem Sohn Axel und dem ezidischen Gastronomen Iskender Ediz gen Süden aufgebrochen ist.

Grawunders Vermutungen bewahrheiteten sich schließlich: "Hätten wir das Geld überwiesen, wäre es im Topf der Stadt Batman, die sich nach Kräften um die Flüchtlinge kümmert und dadurch hoch verschuldet ist, gelandet. Die Menschen vor Ort hätten davon direkt nichts gehabt."

Mit Ediz, der aus der Region stammt, als Scout und der Hilfe von Einheimischen haben die Celler dann auf eigene Faust Lebensmittel, Schulmaterialien und Heizlüfter organisiert und in drei Flüchtlingslagern der Region Diyarbakir, die 20 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt ist, verteilt. Aber auch Süßigkeiten, so Grawunder: "Bonbons verbessern die Situation der Menschen zwar nicht grundlegend, das holt sie aber für einen Moment aus dem Elend heraus, auch wenn wir immer wieder gehört haben, dass das Geld auf der anderen Seite der Grenze dringender gebraucht wird. Dorthin zu reisen, ist aber einfach zu gefährlich."

Unterdessen hat auch die heimische Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann in den vergangenen Tagen die Celler Partnerstadt Batman und umliegende Flüchtlingslager besucht. Sie habe "hochtraumatisierte Flüchtlinge" gesehen, sagte die SPD-Abgeordnete der CZ. "Da gibt es keine Familie, die nicht ein Opfer hat. In den Lagern leben viele Kinder, die nicht wissen, wo ihre Eltern sind", sagte die Sozialdemokratin über die Lage in Diyarbakir und Mardin. "Die ärztliche Versorgung ist notdürftig. Eine geregelte Schulbildung gibt es nicht", so Lühmann.

Eine humanitäre Katastrophe kündige sich an. In der Region falle in vier Wochen der erste Schnee. Die Zelte seien aber nicht winterfest, Hilfslieferungen daher dringen nötig. Zwar hatte der Deutsche Bundestag neben Waffenlieferungen auch humanitäre Hilfe für Kurden beschlossen. Die Hilfe komme aber nicht an, da die Türkei offiziell keine Hilfe von außen zulasse, sagt die Sozialdemokratin.

Besser sei die Situation im Nordirak. Dort hat sich Lühmann in Sazo über ein UNHCR-Lager mit 15.000 Flüchtlingen informiert. Im Irak werde die Hilfe viel professioneller organisiert. Das Land sei sehr offen, was ausländische Unterstützung angeht.

Grawunder und Lühmann werden heute Abend um 19 Uhr im Jugendclub Celle, Bahnhofstraße 47, mit Bildern über die Situation der Menschen vor Ort informieren und ihre Erlebnisse schildern.

Von Kai Knoche