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Celle Stadt Celler war König des Haferbreis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler war König des Haferbreis
19:32 14.06.2016
Quelle: cz
Celle Stadt

Bevor der Celler mit 28 Jahren in die Vereinigten Staaten auswanderte, ernährte sich Schumacher hauptsächlich von Hafergrütze. Auch in der neuen Heimat Ohio wollte der 1822 Geborene nicht auf seine Frühstücksflocken verzichten und so kam immer wieder seine Schrotmühle zum Einsatz und wurde größer und größer. Der Verkaufserfolg übertraf alle Erwartungen. Schumachers billige und gute Haferflocken waren genau das, was das amerikanische Publikum verlangte. Später gründete er die Quaker Oats Haferflockenfabrik, die heute in den USA als „Mutter der Cerealien“ gilt und die jedes Kind kennt. Am 15. April 1908 starb „The German Mill“ (Die deutsche Mühle) als vielfacher Millionär in Akron. Klages fragt sich nun, ob Schumachers Nachfahren noch in Celle leben.

Die Eckdaten des Celler Auswanderers sind auch noch im Stadtarchiv zu finden. Einige Zeitungsartikel aus den 1930er Jahren erzählen von der Erfolgsgeschichte des Unternehmers. 1889 wurde noch eine Schenkung in Höhe von 1000 Mark an das Waisenhaus festgehalten.

Schumacher sammelte erste Geschäftserfahrung im Kaufladen seines Vaters in Celle. Die ersten Jahre in Amerika fasste er im Pferdehandel auf der Farm seines Bruders Fuß. Als dieser in wirtschaftlicher Not war, ging Ferdinand in die Stadt Akron und eröffnete dort als Fred Schumacher von seinen Ersparnissen eine Gastwirtschaft, einen „Saloon“. Doch zur Zeit der Prohibitionsbewegung war das Geschäft schwierig und eine Schar trockener Amerikaner appellierte an das Gewissen des Wirts und brachte ihn zum Umdenken. Trotz seiner Geldknappheit brachte Schumacher es fertig, eine große Schrotmühle zu bauen und sie mit den besten Maschinen jener Zeit auszurichten. Ferner erhielt er für einen Pappenstiel das Recht, die zum Betrieb erforderliche Wasserkraft dem Ohio-Fluss zu entnehmen.

Um seinen amerikanischen Kunden den Haferbrei schmackhaft zu machen, reicherte Schumacher ihn mit geschrotetem türkischen Weizen an. Schon im Jahre 1863 war „Die Deutsche Mühle“ zu klein für den Betrieb geworden und er baute eine neue, der er den stolzen Namen „Empire Mills“ gab. Ihm kam zugute, dass die Deutschen in Amerika den Ruf genossen, alles gut und gründlich zu machen. Damals betrug Schumachers Absatz im Jahr schon mehr als zwei Millionen Dollar in Form von Frühstücks-Cerealien und Grießschrot. Fast jedes Jahr musste der Müsli-König seine Mühlenwerke durch Anbauten vergrößern.

Mit seinem vielen Geld unterstützte Schumacher die Errichtung vieler Kirchen. Auch in der Politik wollte er Einfluss nehmen und Gouverneur von Ohio werden, was ihm jedoch nicht gelang. Die ursprünglichen Mühlengebäude in der Innenstadt von Akron stehen heute noch und wurden mittlerweile restauriert und in ein Hotel und Fachgeschäfte umgewandelt, sie stehen am „Quaker Square“.

Von Dagny Rößler