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Celle Stadt Celler wird Direktor des Instituts für Deutsche Sprache
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler wird Direktor des Instituts für Deutsche Sprache
18:19 11.07.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Julian Stratenschulte
Celle Stadt

Haben Sie sich schon während Ihrer Schulzeit in Celle für Sprache interessiert?

Als Leistungskurse hatte ich Mathematik und Physik und auch mein Interesse an Informatik war groß. Aber das altsprachliche Profil am Gymnasium Ernestinum hat mich ebenfalls geprägt. Durch den Latein- und Griechischunterricht habe ich mich frühzeitig mit Grammatik und den vielen Besonderheiten dieser Sprachen befasst.

Später haben Sie Germanistik, Informatik und Philosophie studiert. War das nicht eine ungewöhnliche Kombination?

Damals, Mitte der 1980er Jahre, galt ich als Exot. Ich hatte ein Doppelleben geführt, allein dadurch, dass ich in Bonn zwischen den Instituten hin- und herradeln musste. Mehr als 30 Jahre später untersucht die Sprachwissenschaft digitale Textkorpora, die zum Teil Milliarden von Wörtern umfassen, nach bestimmten Phänomenen. Heute sind es nicht mehr zwei getrennte Welten, sondern es werden digitale Verfahren angewandt, um sprachliche Zusammenhänge zu analysieren.

Im Buch „Qualityland“ von Marc-Uwe Kling werden Maschinen immer menschlicher und die Menschen immer maschineller. Beschreibt das treffend die Zukunft?

Das ist eine interessante These. In nur wenigen Jahren gab es gewaltige Veränderungen im Umgang mit Sprache im Computer. Sprachfähige Systeme erkennen gesprochene Sprache und übertragen Gesprächsdaten per Funk an die Server von Google oder Apple. Diese künstlichen Kommunikatoren antworten mittlerweile und können immer natürlichere Gesprächssituationen nachvollziehen. Wir können ihnen auch menschliches Verhalten wie Verzögerungen und Versprecher beibringen.

Und werden wir Robotern immer ähnlicher?

Wenn Computer unser Gegenüber sind, verändert das auch uns. Wie groß diese Veränderungen sind, gehört zu unseren aktuellen Forschungsfragen. Zum Beispiel, inwieweit wir andere Wörter benutzen. Leseforscher haben festgestellt, dass junge Menschen heute wesentlich mehr lesen als früher. Es werden große Mengen an Kurznachrichten von Freunden und Statusmitteilungen von Bekannten konsumiert. Allerdings spielt sich der Inhalt auf einer völlig anderen sprachlichen Ebene ab als bei der Lektüre von Büchern. Bei Facebook und WhatsApp wird einfach so drauflos geschrieben. Dort findet sicherlich ein Sprachwandel in eine bestimmte Richtung statt. Auch bei Erwachsenen ist eine Veränderung im Umgang mit Geschriebenem zu verzeichnen.

Wird unser Wortschatz nicht immer kleiner, wenn Computer uns immer mehr vorschlagen?

Das ist schwer zu messen. Das gilt vielleicht für die Kommunikation mit dem Smartphone, doch wir nutzen alle unterschiedliche sprachliche Register. Insofern dürfen wir diese Kommunikationsform nicht isoliert betrachten. Es gibt aber Beobachtungen, dass die Qualität bei der Rechtschreibung und der Zeichensetzung zurückgeht. Sehr starken Einfluss auf unsere Sprache hat in den vergangenen Jahren aber auch die Migration.

So beschreibt Heike Wiese in ihrem Buch „Kiezdeutsch“, wie ein neuer Dialekt entsteht ...

Das Buch hat ziemlich viel Furore gemacht. Jugendliche mit Migrationshintergrund haben in Großstädten dafür gesorgt, dass neuartige sprachliche Formen entstanden sind. Die Floskel „Ischschwör“ („Ich schwöre“) könnte man fast schon ins Wörterbuch aufnehmen. Auch die kleine Partikel „so“ wird mittlerweile ganz anders verwendet als bisher.

Was heißt das für den Schulunterricht?

Bei der Bildung sollte die geschriebene Standardsprache nach wie vor eine große Rolle spielen. Wir unterscheiden zwischen flachem und tiefem Lesen. Beim tiefen Lesen beschäftigen wir uns ganz intensiv mit dem Inhalt, um unser Wissen zu vergrößern und aus Erfahrungen zu lernen. Doch wird die Konkurrenz mit den sozialen Medien immer größer und löst intensive Diskussionen aus. Wir haben noch keine Antwort darauf, wie wir digitale Medien sinnvoll in den Unterricht integrieren können. Dennoch muss Schule ein Raum bleiben, wo oberflächliches Lesen keinen Platz haben sollte.

Können Computer nicht bald auch Bücher schreiben?

Das geschieht schon im englischsprachlichen Raum. Für die Erzeugung von „Groschenromanen“ nutzen Computer vorgefertigte Versatzstücke und variieren eine immer wiederkehrende Handlungsstruktur. Um echte Literatur müssen wir uns keine Sorgen machen, sie beruht auf menschlichen Erfahrungen, Kreativität und dem Durchbrechen von Erwartungen.

Wie sieht es im Journalismus aus?

Beispiele für Roboterjournalismus gibt es bereits seit 2012. So setzt die L. A. Times bei Erdbebenberichten auf Algorithmen. Dabei werden in Echtzeit Rohdaten übertragen. Nach 30 Sekunden ist der Text fertig. Das funktioniert zum Beispiel bei Börsendaten in der Wirtschaft, bei Sportmeldungen oder im Bereich „Vermischtes“. Der Computer kann Redakteuren Routinetätigkeiten abnehmen. Dafür gewinnen Journalisten Zeit, um sich intensiver mit der Recherche und der Deutung von Informationen zu beschäftigen.

Das Celler Schützenfest steht vor der Tür. Alle Schausteller sind fleißig bei der Arbeit, um zur Eröffnung am Freitag fertig zu sein.

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