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Celle Stadt Celler "zuGabe": "Wir sprechen über Gott und die Welt"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler "zuGabe": "Wir sprechen über Gott und die Welt"
18:25 27.01.2017
Seitdem Rudy Guse im Rollstuhl sitzt, kommt Pflegerin Petra Zahn dreimal in der Woche zum Duschen vorbei. Dank des Diakonie-Projektes Zugabe hat sie zusätzlich 15 Minuten Zeit, um ihn von einer anderen Seite kennenzulernen. Quelle: Alex Sorokin
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GROSS HEHLEN. Vier Minuten zum Anziehen der Kompressionsstrümpfe, vier Minuten zum Spritzen, 24 Minuten zum Duschen, Anziehen und Zähneputzen veranschlagen die Krankenkassen. "Kurz saust sie rein und schon ist sie wieder weg", beobachtet eine Nachbarin. An einem Wochenende besucht Pflegerin Petra Zahn im Frühdienst bis zu 30 Patienten. Seit zwei Jahren sitzt Rudy Guse im Rollstuhl. Dreimal in der Woche fährt Zahn zu ihm nach Groß Hehlen, doch um sich besser kennenzulernen, blieb kaum Zeit. Doch dank des Diakonie-Projektes „zuGabe“ bringt Zahn seit März jede Woche 15 Minuten mehr Zeit mit: Für eine Tasse Tee oder Kaffee und Gespräche über das, was Guse gerade auf dem Herzen liegt.

„Das ist Zeit zum Verwöhnen“, erzählt Guse. „Dann sprechen wir über Gott und die Welt und lachen zusammen.“ Nach zwei Schlaganfällen kommt der 80-Jährige selten aus seinen vier Wänden heraus. Auch das Fernsehbild erkennt er kaum noch.

„Bei der Zugabe lerne ich meine Patienten von einer anderen Seite kennen“, sagt Zahn. „Man kann tiefer in die Familie hineingucken.“ Rudy Guse hat das Glück, dass er noch mit seiner Frau Christa zusammenleben kann und die Kinder in der Nähe sind. Seine Frau ist auch dabei, wenn Zahn vorbeikommt. "Sie kann ich auch mal fragen, wenn ich etwas nicht zur Pflege oder zur Krankenkasse weiß." Doch viele andere Patienten leben allein und haben wenig Kontakt zu ihren Mitmenschen.

Die ersten Erfahrungen mit der „zuGabe“ seien sehr ermutigend, sagt Maik Mengel, Geschäftsführer der Diakonie Südheide. Er erklärt, dass seit Beginn des Projekts schon Tausende „zuGaben“ in 16 Gemeinden des Kirchenkreises Celle ermöglicht werden konnten. „Unsere Kunden nehmen dieses Angebot sehr gerne an – und erzählen, was ihnen gerade auf der Seele liegt. Auch für die Mitarbeitenden ist das eine wertvolle Viertelstunde." Kleine Postkarten mit verschieden Motiven markieren den Beginn einer „zuGabe“ und sorgen, falls notwendig, für den einen oder anderen Gesprächsimpuls.

Mengel tüftelte an einer detaillierten Kalkulationen und gab folgende Formel für die "zuGabe" aus: „Für 5 Euro jede Woche 15 Minuten mehr Zeit für die Menschen, die ambulante Pflege durch die Diakonie Südheide erhalten." Auch das Logo wurde eigens erdacht: ein Herz in der Farbe der Diakonie, das ein Viertel eines Kreises einnimmt.

In Celle, Winsen und Umgebung werden derzeit 280 Frauen und Männer von 80 ambulanten Pflegekräften betreut. Damit die Diakonie Südheide allen Patienten eine "zuGabe" pro Wochen schenken kann, werden jährlich 60.000 Euro benötigt. "Wir sind da auf einem guten Weg und konnten bisher alle Patientenwünsche nach der zuGabe auch umsetzen“, sagt Mengel.

Er sei froh, dass sich das Projekt "zuGabe" inzwischen so gut herumgesprochen hat: Bei Anlässen wie Gemeindefeiern, Traueranlässen, Hochzeiten oder auch Geburtstagen werde an die "zuGabe" gedacht. "Die Spenden, die wir erhalten haben, uns aber auch noch weiterhin erreichen müssen, sichern, dass wir in den nächsten Jahren die zuGabe leisten können", betont Mengel. "Und am liebsten wäre es uns natürlich auf unbestimmte Zeit".

Spendenkonto: Kirchenkreis CelleIBAN DE02 2575 0001 0000 0024 10BIC: NOLADE21CELWeitere Infos zum Projekt unter Telefon (05141) 7505115 oder im Internet unter www.diakonie-suedheide.de/zugabe

Von Dagny Rößler